Kategorie: Spass mit Zahlen

adieu, schöne world

Es mag viele sehr gute Gründe geben, die jungle world abzubestellen, allen voran ihre beschissene „islamkritische“ Haltung und die Weigerung, antimuslimischen Rassismus als Begriff auch nur zur Kenntnis zu nehmen (natürlich nicht, duh) – vermutlich ist es eine Kombination aus einem Haufen ärgerlicher, abstoßender oder sonstwie nicht-für-mich-Faktoren, warum ich sie seit langem fast nur noch aufschlage, um mich zu ärgern.

Aber warum nicht auch einfach mal für ein Thema ganz gemein platte, ungerechte, ungenaue quantitative Methoden anwenden?

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Dumme Mädchen, benachteiligte Jungs

When Larry Summers suggests that men are inherently better at math than women, anyone who’s not a feminist hails the man as an anti-PC just-telling-it-like-it-is crusader, completely discounting all social explanations for Girls Are Bad At Math Statistics. Yet, were a woman to suggest that girls outperform boys in school because they are inherently smarter than boys, she would be railed as a misandrist feminazi bitch.

Fannie, Breaking: Boys and Girls Are Inherently Different, Except When Boys Prove Worse At Stuff

(Nachtrag 22. 11.: In gleicher Doppelmoral werden in Bildungsdiskussionen „reine“ akademische Leistungskriterien genau so lange hochgehalten, wie Weiße Kinder/ Jugendliche davon profitieren. Sobald sich das zu ändern scheint (und sei es durch rassistische stereotype Vorstellungen wahrgenommen statt durch Fakten belegt), wird plötzlich nach weniger kompetitiver Atmosphäre geschrieen, wie sich an den „zu asiatischen“ kanadischen Universitäten zeigen lässt.)

Google-Statistik-Update

(Vorgängerin gestern)
Google-Treffer (absteigend) für Suche nach

Integrationsdebatte:
Ungefähr 211.000 Ergebnisse
(+ 19.000)

Zuwanderungsdebatte:
Ungefähr 46.900 Ergebnisse
(- 1.000)

Integrationsmuffel:
Ungefähr 20.400 Ergebnisse
(+ 14.000)
(nach wie vor: mein Vorschlag für das Unwort des Jahres!)

Rassismusdebatte:
Ungefähr 5.820 Ergebnisse
(- 10)

(Ergänzung:)
Integrationsproblem:
Ungefähr 154.000 Ergebnisse

Rassismusproblem:
Ungefähr 3.540 Ergebnisse

Google-Statistik des Tages

Google-Treffer (absteigend) für Suche nach

Integrationsdebatte:
Ungefähr 182.000 Ergebnisse

Zuwanderungsdebatte:
Ungefähr 47.900 Ergebnisse

Integrationsmuffel:
Ungefähr 6.330 Ergebnisse
(mein Vorschlag für das Unwort des Jahres!)

Rassismusdebatte:
Ungefähr 5.830 Ergebnisse

Mehr Statistik: „Deutschland schafft sich ab“ ist nach wie vor auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste.
Yay creepy „Ich finde, man muss sich mit sowas auseinandersetzen“-Rationalisierungen.

Ansonsten, nur ein paar Fundstücke zu dem ganzen Gruseltheater:

GLADT: Sarrazin ist unwichtig – die rassistische Gefahr nicht!

Das „Sarrazin ist unwichtig, dass so viele seiner Meinung sind, nicht“-Motiv lässt sich allerdings wiederum bestens in victim blaming und anderen Rassismus umkehren: Never mind die Menschen, die gerade medial durch den Dreck gezogen werden. Nutzen wir doch die Gelegenheit, da der offizielle Problem-Rassist der Nation unter tosendem Beifall vom Podium geschickt wird, dafür, den Rassismus in Deutschland ernstzunehmen und Mitleid mit – – – JA! den Rassist_innen zu haben! Eins von unzähligen Beispielen (und ich rede hier nicht einmal von der direkten politischen Instrumentalisierung):
Frankfurter Rundschau, Der Ruf des Rattenfängers:

Liebe Sarrazin-Fans! Ihr Wunsch, dass „tabuloses“ Aussprechen hilft, ist verständlich. Aber Sarrazin wird Sie alleine lassen. Er wird Ihnen nicht helfen, weil es eben – ob wir das wollen oder nicht – so einfach nicht ist mit der Schuld der Migranten oder Hartz-IV-Bezieher an ihrer eigenen Misere. Er wird Sie und die Migranten, gute wie böse, bald vergessen. Bis zum nächsten Buch. Er lebt genau so von leerem Gerede, wie er es liberalen Geistern unterstellt.

Dazu fällt mir kaum noch irgendetwas ein, muss es auch nicht, denn Tami Hat Es Längst Gesagt – What Tami Said: Marginalized folks shouldn’t always have to be „the bigger persons“:

I am all for humor and compassion, but I reject the notion that, as a woman and a black person, I need be extra compassionate and jovial in a society that often affords people like me neither of those things. I reject the notion that we ought to spare more empathy for the homophobe than the gay men and women her bias hurts. I believe in using the most effective means to change, but I also believe in calling „isms“ for what they are and not coating them in equivocations and wishy-washy language that lets oppressors feel good about themselves.
Sometimes, someone else needs to be the „bigger person.“

Übersetzung: Holperik GmbH, keine Gewähr:

Nichts gegen Humor und Mitleid, aber ich lehne die Vorstellung ab, dass ich, als eine Frau und schwarzer Mensch, besonders mitleidsvoll und herzlich sein soll in einer Gesellschaft, die für Menschen wie mich oft keines dieser beiden Dinge übrig hat. Ich lehne die Vorstellung ab, dass wir für Homophobe mehr Einfühlungsvermögen aufbringen sollen als für die schwulen Männer und lesbischen Frauen, die von ihren Vorurteilen verletzt werden. Ich glaube daran, die effektivsten Mittel für Veränderung zu nutzen, aber ich glaube auch daran, „Ismen“ das zu nennen, was sie sind, und sie nicht in Mehrdeutigkeiten und verschwommene Sprache zu hüllen, die es Unterdrückern erlaubt, sich wohl in ihrer Haut zu fühlen.
Manchmal muss jemand anders der „bessere Mensch“ sein.

Auf hr 1 (Radio) gab es vor ein paar Tagen ein kurzes Meinungsstück darüber, wie angeblich „jeder Zehnte von uns ein Rassist“ sei: „im Schwimmbad, auf der Liegewiese, jeder Zehnte!“ – Zitate aus dem Gedächtnis. Har har. Solange das die Vorstellung von Rassismus/rassistischer Gesellschaft bleibt, kommen wir nicht weiter. Also, doch, schon! aber nur in der Richtung, in die die Diskussion gerade rennt.

Und es würde mich beruhigen, wenn ich irgendwo – irgendwo – etwas lesen würde, das der rassistischen Einstellung widerspricht, dass „WIR“ eine „Integrationsdebatte“ nötig hätten und es gut und wichtig sei, dass sie nun „angestoßen“ sei.

Das war’s vermutlich erstmal wieder – Verzeihung für’s selten schreiben, aber ich kann gerade nicht.