adieu, schöne world

Es mag viele sehr gute Gründe geben, die jungle world abzubestellen, allen voran ihre beschissene „islamkritische“ Haltung und die Weigerung, antimuslimischen Rassismus als Begriff auch nur zur Kenntnis zu nehmen (natürlich nicht, duh) – vermutlich ist es eine Kombination aus einem Haufen ärgerlicher, abstoßender oder sonstwie nicht-für-mich-Faktoren, warum ich sie seit langem fast nur noch aufschlage, um mich zu ärgern.

Aber warum nicht auch einfach mal für ein Thema ganz gemein platte, ungerechte, ungenaue quantitative Methoden anwenden?

Schlagwortsuche für die letzten zwei Jahre:

„sexualisierte Gewalt“
9 Artikel.
5 von Männern, davon 4 zum Ausland: 2 zum Kongo, einer zu Ruanda, einer zum Irak, einer zu Deutschland.
4 von Frauen, davon 3 zu Deutschland, davon 1 zu Deutschland (Migrations-, Sexarbeitkontext), 1 zu Deutschland (islamischer Kontext), 1 zu Kritik an politischen Gegenmaßnahmen/-bewegungen.

„sexuelle Gewalt“
13 Artikel, davon 11 von Männern. Immerhin 5 zu Deutschland, davon 2 zu Kirche/Heimkindern, 2 zu Kritik an politischen Gegenmaßnahmen/-bewegungen.

„Vergewaltigung“
nach 40 Treffern in vielleicht 1,5 Jahren aufgehört zu zählen, ca. 14 von Frauen.
12 zu Deutschland, davon 3 zu Kirche, 1 zu Sexarbeit, 1 Kritik an politischen Gegenmaßnahmen/-bewegungen. Alles andere: woanders.

Wenn sexualisierte Gewalt (und tendenziell wird sie auch wirklich nicht gern so genannt, noch als zusammenhängende Erscheinung betrachtet) „woanders“ stattfindet: Am liebsten im Irak, Iran, Ägypten oder anderen muslimisch geprägten Ländern, aber auch gern in der katholischen Kirche, oder in marginalisierten Kontexten in Deutschland, Migration oder Sexarbeit – ist die Aufmerksamkeit groß und der Zeigefinger hoch erhoben. Wenn sie aber in der jungle-Welt selbst auftritt, muss in erster Linie jedes Gegenkonzept sehr gründlich kritisiert bis ins Lächerliche gezogen werden, ob es nun um von der Leyen, Definitionsmachtskonzepte oder „den“ zweite Welle-Feminismus geht.

Das ist sexistisch und rassistisch. Das ist die übliche Instrumentalisierung im weitesten Sinn feministischer Themen für beliebiges Islambashing, die vom gleichen Konzept in konservativen Kreisen zu unterscheiden ich schlicht nicht mehr das kleinste bisschen guten Willen aufbringe – und das gleichzeitige bequeme Ignorieren der sexistischen Realität im eigenen Nest, für die die anhaltende Weigerung, geschlechtergerecht zu formulieren einfach nur das allererste Anzeichen ist.
Das Antisexismusbündnis Berlin hat zum Thema antideutscher Sexismus-/Rassismuskritik in einem ganz echten, großen Artikel schon eine Menge sehr sehr schicke Sachen geschrieben.

Alles, was ich hier sagen will, ist: Hiermit kündige ich mein jungle world-Abo. Begründung: Magnus Klaue ist als Sexkommentator überbezahlt.

(Dem endgültigen Herrenmagazin sei hier für die Entscheidungshilfe gedankt.)

6 Kommentare

    • kiturak

      !! blogroll’d. Was geht denn da ab – die Autorin schreibt darüber, dass der Islam hier ethnisiert wurde und atheistische Freundinnen nun qua Optik als Muslima einsortiert werden, und nach gefühlt 3 Kommentaren stürzt der thread in die Kopftuchdebatte of doom ab?
      o.O
      Die Ironie.

    • kiturak

      Meine Lieblingstexte sind momentan

      die Infos des Wochenendseminars in Hamburg („Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Erscheinungsformen, Kritik und Analyse des antimuslimischen Rassismus“)

      diese kleine Linksammlung auf rhizom

      und ein Text von Yasemin Shooman, den es leider nicht im Netz gibt.

  1. Pingback: einfache dinge… « wo die neurosen blühen, will ich landschaftsgärtner sein

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