Kategorie: heteronormativ

Born Questioning

Eine schöne Diskussion um die tägliche Heteronormativität hat neulich ein auf der Mädchenmannschaft verlinktes Video von Chris Baker und Travis Nuckolls ausgelöst. Magda fragt mit den Interviewern: „Wann hast Du Dich entschieden, hetero zu sein?“:

Neben vielen biologistischen Erklärungsversuchen oder solchen, die Homosexualität als „life style“ verorten, kommt beim Thema Heterosexualität eher größere Verwirrung auf: Es wirkt so, als mussten sich die Befragten noch nie Gedanken um ihre eigene Sexualität machen. Der Fokus liegt zur Abwechslung mal nicht auf „der Homosexualität“ und „den Homosexuellen“, sondern auf heterosexuellem Begehren. Die Verwirrung wundert nicht: Heterosexualität wird ja auch nicht ständig mit Theorien belegt. Das Video stellt da einen interessanten Perspektivwechsel dar.

und erklärt das Problematische der Frage „Wann wusstest du, dass“, auch wenn es einen Unterschied gebe zu „Wann hast du dich dafür entschieden“:

Aber auch das Stellen der Frage hängt für mich vom Kontext ab. Klar wird so eine Frage im intimen Freund_innenschaft durchaus gestellt, weil mensch sich gut kennt und interessiert ist am Intimleben der Freundin. Aber sie würde (zumindest hoffentlich) nicht so plakativ gestellt werden wie oben beschrieben. Solche Fragen werden aber auch oft von Menschen gestellt, die einfach nur wahnsinnig neugierig sind, obwohl sie die Befragten nur flüchtig kennen. Denn das Intimleben derjenigen, die von der Norm abweichen, scheinen immer eins mehr öffentliches Gut zu sein und erleben öfter einen Rechtfertigungszwang.

So weit, so richtig.
Ich find die Aktion trotzdem daneben.

Warum?
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Über Penisse. Kleine Penisse.

Da blätter‘ ich auf bravo.de herum auf der Suche nach einer gängigen Definition von „lesbisch“ (heh.), und finde – Penisse:

„Der Mikropenis! Die wichtigsten Fakten!“

„Keine Angst“, die BRAVO hat sich nicht so weit verfremdet, dass das hier ein empowernder Artikel ist für Menschen mit Mikropenis oder generell eine Reihe zu Intersexualität. Das Wort „Intersexualität“ taucht nicht einmal auf.

Naaain, es geht „selbstverständlich“ um das exakte Gegenteil: Darum, für Leute mit größeren Penissen ein Konzept von „Normalität“ aufzubauen („Sechs Zentimeter sind genau so normal wie 18.“) und „Jungen“/“Männern“ die ANGST davor zu nehmen, dass sie es beim Hetero-Pipi-Mumu-„Sex“™ („Auch ein kurzer Penis kann in die Scheide eingeführt werden und bei einem Mädchen schöne Gefühle auslösen.“) nicht bringen könnten. Menschen mit einem Penis, der tatsächlich kleiner ist als die „Normalität“-by-BRAVO, werden komplett im Regen stehen gelassen – deren „Angst“ ist dann wohl gerechtfertigt, aber für die ist die BRAVO auch garnicht erst da, oder wie?
„Angst, einen Mikropenis zu haben – fast immer zu Unrecht“? Ja, BRAVO: Aber weil Körper SCHÖN und OKAY sind, egal ob sie in Eure Kack-Schablone passen. Und, nebenbei: Eure Vorstellung von „Sex“ ist grottig.*

Torbilanz? Heteronormative Gewalt, Ausschlüsse und Panikmache, wie wir sie seit jeher von Jugendzeitschriften kennen: 1, Informatives zu (Mikro-)Penissen: 0.

Nächste Woche in der Reihe Genitalien Für Alle:

Die Travel-Pussy.

Das Sexspielzeug besteht aus einem Plastikschlauch ähnlich einer Wärmflasche, mit einer 24 cm langen Einstülpung.

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