Kategorie: Butler/CSD-Debatte

Privilegierter Feminismus

Ich habe hier als eins der ersten Dinge geschrieben, dass dies hier in irgendeiner Weise ein feministischer Blog werden wird.

Ich habe aber auch geschrieben,

Wenn sich diskriminierte Menschen ausschließlich auf ihre eigene Benachteiligung fokussieren, merken sie nicht, dass sie ganz selbstverständlich auf allen anderen herumtrampeln, die noch weniger – oder andere – Privilegien haben.

Ich habe mich an der Diskussion zum Thema Butler und CSD auf Mädchenmannschaft nicht beteiligt, vor allem weil ich schlicht anderes getan habe. Ansonsten hatte ich Vertrauen in die Seite (ich mochte den Artikel), und ich versuche in der Regel, Diskussionen zu Rassismus eher bei People of Colour zu verfolgen als in Weiß dominierten Räumen.
Und Weiß dominiert sind in einer rassistischen Gesellschaft nun mal alle Räume, in denen nicht ständig explizit gegen das eigene Weiße Privileg vorgegangen wird. (Also auch mein Blog.)

Nun wurde in dieser Diskussion durch massives Derailing jeder Versuch, die Kritik von Butler ernst zu nehmen und zu untersuchen, konsequent durch eine Vielzahl von Kommentator_innen erstickt, bis der Thread schließlich geschlossen wurde.

Auf dem Mädchenblog wird die Meinung vertreten, die Beweise zu den angeführten Vorwürfen des (nicht bekämpften) Rassismus innerhalb der CSD-Organisation seien bisher noch ausgeblieben, und die Bringschuld liege hier bei Butler/ denen, die auf die Probleme hinweisen.

Abgesehen davon, dass es nicht nur angesichts der Vielzahl genannter Argumente, sondern auch angesichts der einseitig/ rassistisch geführten Thematisierung in der Presse einigermaßen dreist ist, kein Problem mit Rassismus sehen zu wollen:

Das ist eine Strategie der Unterdrückung.

Angesichts eines strukturellen gesellschaftlichen Rassismus muss ein Anspruch, nicht rassistisch zu sein, erst bewiesen werden.
Ein Argument, das darauf hinausläuft, eine soziale Bewegung in dieser Gesellschaft sei als nicht rassistisch zu verstehen, solange das Gegenteil nicht bewiesen wird, zeigt nichts als eine fundamentale Weigerung, Rassismus konsequent als allgemeingesellschaftliches Problem zu behandeln.

Nicht nur der CSD hat ein Problem mit Rassismus.
Diese Gesellschaft hat es, und der (Weiße) Feminismus, und ich mit.

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Butler vs. CSD

Zuerst durch anders deutsch darauf aufmerksam geworden, dann mit wachsender Genervtheit die unsäglichen Artikel in der taz verfolgt: Judith Butler ist zum Christopher Street Day in Berlin angereist, um dort den Zivilcourage-Preis verliehen zu bekommen – und sie hat ihn abgelehnt.

Hurra: andrenarchy! Andrenarchy hat dieses Video bei youtube eigestellt, mit eingeblendeten englischen Untertiteln, einschließlich der Moderation am Schluss.
Der Transgeniale CSD und L-talk haben Butlers gesamte (in deutsch gehaltene) Rede transkribiert, jeweils dort zu lesen.
Hat hier schon mal jemand transkribiert & übersetzt? Es ist gleichermaßen: barriereverringerungs-freundlich, für sozialwissenschaftliche Forschung wichtig, und – Arbeit. Krass. Danke.

Auszug:

Einige der Veranstalterinnen haben sich explizit rassistisch geäußert beziehungsweise sich nicht von diesen Äußerungen distanziert. Die veranstaltenden Organisationen weigern sich antirassistische Politiken als wesentlichen Teil ihrer Arbeit zu verstehen.
[…]
Gegenwärtig behaupten viele europäische Regierungen, dass unsere schwul lesbische queer Freiheit geschützt werden muss, und wir sind gehalten zu glauben, dass der neue Hass gegen Immigrantinnen nötig ist, um uns zu schützen.

Deswegen müssen wir nein sagen zu einem solchen Deal, und wenn man nein sagen will unter diesen Umständen, dann nenne ich das Courage.
Und wer sagt nein? Wer erlebt diesen Rassismus? Wer sind die queers, die wirklich gegen eine solche Politik kämpfen? Wenn ich also einen Preis für Courage annehmen würde, muss ich den Preis zu Recht an jene weiterreichen, die wirklich Courage demonstrieren.

An dieser Stelle: Falls irgendjemand Zweifel daran haben sollte, dass Rassismus tatsächlich unter Weißen in Deutschland ein Problem sein sollte? (eben.) Sogar unter Leuten, die aufgrund ihrer sexuellen Identität selbst diskriminiert werden? Lest irgendeinen taz-Artikel zu Butler und/oder dem CSD/transgenialen CSD. Tut Euch die Kommentare an (ja, auf taz kommentieren regelmäßig auch ganz schlicht Rechte. Die mein ich nicht) Lest die Kommentare unter diesem Artikel.
Und vor allem: Hört Euch im Video ab 5:00 die Schlussmoderation an (bzw. lest sie). „Persönlich sehr gekränkt“ vom Vorwurf des Rassismus? „Das ist einfach nicht wahr. Und ihr könnt so laut schreien, wie ihr wollt, is einfach so! Weil, ehrlich gesagt: Ihr seid hier nicht die Mehrheit. Ihr seid – nicht – die – Mehrheit.“
Äh.
Fucking ernsthaft?!

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