Kategorie: Privileg

Besitztums-Bürgerwacht

(crossposted auf takeover.beta)

Nee, ne?

Grad mit Freund zwei Fahrräder abgeholt, aus dem Keller des Wohngebäudes einer Freundin – die üblichen bei ner Keller-Ausrümpelaktion übriggebliebenen Rostgebilde, Licht fehlt, Platten vorn, Platten hinten. Wer will bitte nehmen, Rest kommt weg. (YAY nach Jahren trotz zuwenig Kohle zum ersten Mal wieder ein Fahrrad!! :)) Beide abgeschlossen, Schlüssel zusammen mit ehemaliger Besitzer_in in den Weiten der großen, großen Welt verschwunden. Wir also so, ne?, umständlich mit hochgehobenem Hinterrad ächzend den Kilometer weit geschoben, alle paar Meter Seite gewechselt weil kein Bolzenschneider da.

Was passiert? Was eh irgendwie klar war:
Enter DER BESITZTUMSWÄCHTER! In Form eines Fahrradladenbesitzers im Ladeneingang. Ja, genau der Fahrradladen, in dem immer diese viele hundert bis irgendwie Fantasiepreise kostenden blitzenden Dinger stehen, fancy Accessoires mit Leuchtfunktion, all das.
Ich so (erfreut, Reparaturen im Hinterkopf, hab ich eigentlich noch Flickzeug?) „oh stimmt! Hier ist ja ein Fahrradladen!“
Er so: “Was sind denn das für Fahrräder? Sind das Ihre?”
Ich so „blabla erklär, unsre, Keller, aussortiert, Freundin“, er so „Also sind das nicht Ihre?“

An dem Punkt muss mal gesagt werden, dass mensch vermutlich schon ziemlich weiß sein muss, um sone Aktion wie unsre überhaupt ernsthaft so lala-sorglos in Betracht zu ziehen (edit: siehe Kritik hier). Bei allen anderen hätten nach 20 Metern vermutlich sofort drei von Innenminister Friedrich beschäftigte weiße Nachbarschaftsspitzel die Polizei gerufen. Mal mindestens. Die natürlich bei sowas auch sofort angerückt wäre, racial profiling, ne? „entsprechende Lageerkenntnisse“, „einschlägige [grenzpolizeiliche] Erfahrung“, Sie wissen schon. Gesiezt hätte uns da garantiert keine_r. Weiße haben schlicht gern ne sehr, sehr seltsame Einstellung zu so Dingen.

Also, ich den Typen angekackt, glaubt er ernsthaft? 2-Leute-Prozession über die Bürgersteige, Rostmetallsammlung, Platten. (Leute, bitte, bitte, wir wissen doch, wie Fahrräder klauen funktioniert, richtig?) Er, Seien Sie doch froh, dass es jemand interessiert. Ich, gehört Ihnen der Laden? Er, ja, ich, hier geh ich garantiert nie hin.
Seien Sie doch froh, dass es jemand interessiert! ruft er noch hinterher.

Ja, würd mich freuen, wenn’s jemand tatsächlich interessieren würde, wer warum kein Fahrrad hat. Und wie wir das ändern.

Ich will mich hier nicht als arm-arm hinstellen. Ich hatte zweimal echt teure Fahrräder, meine geliebten geliebten Fahrräder, nie vorher und nie nachher etwas für so viel Geld besessen. Fahrräder, Beweglichkeit, Selbständigkeit, Kraft, Körper fühlt sich gut an, schnell fahren, langsam fahren, freihändig fahren, tagelang über die Berge fahren. Hilft gegen Depressionen (meine). Einmal von Mittelklasse-Familie geschenkt, einmal Jahre später (okay gut bezahlte weiße Mittelklasse Studi-Jobs) zusammengespart. Beide geklaut worden. Beide Male war’s so, so bitter. Klar. Das ist aber nicht das Ding hier.

Das Ding hier ist, dass der Typ mit seinem Laden und seinen 500€-Fahrradschlössern im Sortiment und Diebstahlsversicherungen glaubt, dass die Welt gerecht ist und er deshalb die Besitzenden schützen muss.*

 

als ich ein Kind war, betete ich jeden Abend zu gott er möge mir ein Fahrrad schenken. irgendwann begriff ich dass gott nicht so arbeitet. also klaute ich mir ein fahrrad und betete jeden tag ein bisschen um vergebung. (Postkarte: Discordia)

*Gedankenspiel aus der Traumwelt mit zartlila Marshmallows: Falls der Ladenbesitzer uns nur deshalb angesprochen hätte, weil die Fahrräder billig und alt waren, hätte er ja sogar Recht gehabt. Wer so ein Fahrrad besitzt und darauf angewiesen ist, hat in der Regel so wenig Kohle, dass es wirklich schlimm wäre, es zu klauen. Traumwelt aus.

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I’m serious this time, People. Crowdfund das coolste Spiel aller Zeiten!

cross-posted auf takeover.beta

Viele kennen mich vielleicht für verschiedene Anfälle von extrem schlechter Laune, was so Unterhaltungsmedien angeht.
Das liegt daran, dass ich gern zocke/ Comics lese/ Filme schaue, und dann nachher entgiften muss, sozusagen.

ABER ICH KANN AUCH BEGEISTERT SEIN!

Enter mein neues Lieblingsspiel von Deirdra Kiai :

Dominique Pamplemousse in “It’s All Over Once the Fat Lady Sings!”
(auf englisch, genauso wie die meisten Links)

Ich scheitere komplett daran, zu beschreiben, WIE COOL ich es finde – wer auf Kritiken steht, hier ist eine Auswahl, von Kotaku über RockPaperShotgun bis The Border House.
Für die, die wie ich mit Kritiken meist eh nicht viel anfangen können, gibt’s was viel Besseres:
Eine Demo. Spielt die Demo. Ihr werdet mich verstehen! (Es gibt eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Ihr danach nicht denkt, dass Ihr das ab jetzt jeden Tag drei- bis viermal durchklicken müsst, aber ich ignoriere das mal.)

Deirdra Kiai schreibt seit Jahren geniale kleine(re) Spiele, die alle hier zu spielen sind, völlig umsonst und alles.
Aber … Dominique Pamplemousse? ist ein Stop-Motion-animiertes Musical-Computerspiel um ein_e abgebrannt_e
Privatdetektiv_in uneindeutigen Geschlechts

Dominique Pamplemousse in their run-down office, landlady to the right. ‚I hate this place, but hey, at least it’s a step up from a cardboard box.‘ – aaaand go for the meta jokes!

oder anders gesagt,

Spielt die Demo, wenn Ihr mir nicht glaubt. (Spiiieelt diiiiieeee Deeeeemooooo.) EIN MUSICAL-COMPUTERSPIEL. Die Texte sind GESUNGEN. Die Musik ist selber gebastelt und PERFEKT.
Der Haken daran?
Ihr habt’s gesehen: Das Spiel hört zu früh auf! Weil es nicht fertig ist! DAS IST EIN PROBLEM!

Unser neues Lieblingsspiel hört nach zehn Minuten auf! Und warum?

Aus der Beschreibung:

I’m known for touching on personal issues in my work, such as feminism, race, gender, coming of age, and social awkwardness — subjects you’d be hard-pressed to find in most big budget videogame productions. I also prefer focussing on narrative, exploration, and problem-solving as game mechanics, as opposed to combat. Videogames aren’t just frivolous wastes of time to me; they’re how I express myself.

Weil es verdammte politische Kunst ist – aber von der unterprivilegierten Sorte.

Projekte wie diese von Künstler_innen wie dieser* haben eben nicht EA oder die Frankfurter Allgemeine hinter sich. Projekte dieser Art werden in etwa so finanziert:

(NOISEAUX – Managing Promote Organize Machine. Sorry! ausnahmsweise noch kein Transcript. Wird in wei Wochen nachgeliefert!)
Kiai hat den bisherigen Teil des Spiels, Musik, Stop-Motion-Animation, Programmierung, Schreiben, ALLES ALLES selbst gemacht und finanziert. In der Freizeit.

Und jetzt kommt crowdfunding ins Spiel, was vielleicht wie eine Spende oder was für Reiche Leute ™ klingt, aber halt etwas anders funktioniert, nämlich: Ab 1$ ist wirklich jeder Betrag willkommen – aber schon für 5 gespendete $ gibt’s hier eine Kopie des Spiels, wenn es fertig ist (und für mehr gibt’s wirklich unfassbar coole Extras) – was einfach mal bedeutet, Ihr habt halt ein Spiel für unter 5€ gekauft (und für die, die sonst auch Spiele kaufen: EHRLICH, WIE VIEL GEBT IHR SONST FÜR SPIELE AUS?). Also, wie wir dafür sorgen können, dass dieses Spiel stattfindet? SUPPORTEN. Durch Geld oder anders.

Das heißt, bitte kein sozialer Druck und kein schlechtes Gewissen für die vielen Leute, die eben keine 5€ für ein Spiel ausgeben können, auch wenn sie’s noch so toll finden. Aber für die weißencisTypen, die nebenher 50€ für das neue was weiß ich von Bioware ausgeben, bei Spielen wie diesen aber „vergessen“ mitzumachen, obwohl sie’s schon ganz cool finden, hab ich im Anschluss einen kleinen Zusatzrant.

Ansonsten, wenn Euch das Spiel eben auch begeistert:

Even if you’re as flat broke as Dominique and can’t contribute financially, any kind of support you can give is super appreciated.

Weitersagen, Leute fragen, promoten. An die Managing Promote Organize Machine denken, mit der Indie-Projekte funktionieren, und mithelfen.

Und hier der versprochene Zusatzrant!

Wenn ich mich mal wieder über Ismen in Popkultur aufgerege, jammern mir Leut regelmäßig die Kommentare voll. Die Armen Autoooooreeeeen Müssen Doch Istisch Sein, Sonst Verlieren Sie Ihre Jooooobs!!! schreiben sie dann, Die Anderen Sind Schuld!

Meine Frage:

Schonmal drüber nachgedacht, wer die Jobs bei den großen Unterhaltungsmedien überhaupt erst bekommt?

Für jeden der Typen, die Euch so unglaublich cool und geekig vorkommen, während sie ihre (Triggerwarnung hinter dem Link!) scheiß Mackerwitze reißen (HA LUSTIG STELL DICH NICHT SO AN ER HÄTTE SEINEN JOB VERLIEREN KÖNNEN WENN ER NICHT MITGELACHT HÄTTE), und die irgendwie immer weiß vorübergehend nicht behindert cis hetero sind – gibt’s x Frauen*BehinderteTrans*QueersofColor, die aus „unerfindlichen“ (= *istischen) Gründen durchs Bewerbungsraster fallen. Oder durch welche Methoden auch immer weiße Mittelstandstypen ihre Kumpels sonst in diese Positionen holen.

Schon mal drüber nachgedacht, welche Autor_innen mit welchen Themen für ihre Romane überhaupt einen Verlag finden?
Welche Musiker_innen die Verträge und Kohle bekommen, welche Künstler_innen die Feuilleton-Reviews?

Nicht, dass veröffentlichte Autor_innen nicht gedrängt würden, aus ihrem schwulen Protagonisten doch lieber ne Hete zu machen – aber manche Romane werden auch einfach nicht veröffentlicht. Heißt andersrum?

Die Leute, die die Sachen Mit Öffentlichkeit machen? (im Buchladen, unter den Spieleautoren*?) Sind schon eine Auslese der privilegierteren UND heterosexistischeren, rassistischeren, etc. Menschen.

Mal so direkt gesagt.
Heißt nicht, Alle Böse – und sowieso, Tolle Ausnahmen, die sich trotzdem durchgekämpft haben, ändern nix an der Regel.
Aber – die Gesellschaft fördert privilegierte Bullies? Ach was o.O – – ÜBERRASCHUNG!! … nicht.
Also, Mitleid, meins? In Grenzen.

Und während Ihr Eure Identifikationsfigur-Kumpels in der *istische KACKSCHEIßE-produzierenden Spieleindustrie verteidigt?

Krabbelt DAS BESTE SPIEL DER WELT auf Indiegogo herum, um ein paar Tausend beschissene Euro zusammenzukratzen. WAS FÜR EIN BUDGET, Leute. Ihr unterstützt es nicht, weil marginalisierte Menschen und ihre Themen und Spiele und Kunst und Leben Euch am Arsch vorbeigehen, weils Euch scheißegal ist, weil eh JEDES Spiel für Euch gemacht wird, warum braucht Ihr denn sowas? – deshalb lest Ihr auch nicht The Border House, wo Euch das Spiel hier aufgefallen wäre. Aber im nächsten Kommentarthread zum nächsten Ismus-Komplettfail-GroßeFirmaSpiel kommen unweigerlich Eure scheiß privilegierten Krokodilstränen. Und das ist der Grund, warum Ihr mich so ankotzt.

 

Edit 4. 9. 2012: Titel geändert nach Kritik am offensichtlichen Scheiß (äh, Lookismus?) & Alternativvorschlag von Zweisatz. Danke!
Verspätung wegen verreist gewesen ohne Internet.

Intersektionelle/ feministische Kommentarmoderation

Neue Regel! Neue Regel! CALVINBALL! vom 10. 12. 2011:
Dieser Post ist jetzt gestickyt, das heißt, er bleibt hier auf der Startseite ganz vorn, auch wenn ich in der Zwischenzeit andere Artikel schreibe. Und, ich habe die Überschrift geändert, um sie mehr dem Thema anzupassen, um das es mir hauptsächlich geht.

Weiterlesen

Auf die Bank

Despite all the historic and ongoing treatment of men of color as menaces to White womanhood, feminists of color usually have no problem pulling a brother’s coattails when he comes for you, but y’all kinda drag your feet when a White woman does the same to us or our men. And that high school tactic of pleading, “It wasn’t me” doesn’t suffice. I don’t mean to get all vanguardist on y’all, but how about you bench these chicks when they come out of pocket? Seriously, where is the discipline in this movement? I’m not saying to immediately show her the door (although that just might be appropriate on occasion.) Struggle with her if you must, but there has to be serious and immediate consequences for racist behavior even if it’s sending homegirl to an intersectionality boot camp.

Sofia Quintero/ Black Artemis: They’re Going to Laugh at You: White Women, Betrayal, and the N-Word via racialicious

Nachtrag:
Das steht hier als eine Art Selbstverpflichtung für mich als Weiße. Aber auch als Erklärung dafür, warum mir in eigener Sache gern mal der Hut hochgeht, wenn die Bewegungen, die mich so gern für Slutwalks, CSDs und dergleichen rekrutieren wollen, sich einen Dreck darum scheren, dass ihr Umfeld mich nicht gerade willkommen heißt.

Nachtrag 2: Liebe Güte, war das prophetisch. Wer den Nerv für cissexistische hate speech hat, kann bei Luise F. Pusch eine kleine Demonstration davon finden, wie Feminist_innen sich im Zweifelsfall gern auf die Seite der Unterdrücker_innen stellen, solange es keine Unterdrückung ist, unter der sie selbst leiden.

Kommentarrichtlinien: Warum zum Henker schreib ich sie überhaupt?

Aus gegebenen Anlässen in mehreren Kommentarthreads hier, und dies meint Menschen, die es an sich gut meinen:

Oh, Leute. Lest doch einfach meine Kommentarrichtlinien – BEVOR Ihr kommentiert:

„Bitte lest bei betroffenen Menschen nach, falls Ihr tatsächlich unsicher seid, was als diskriminierend verstanden wird.“

Das ist nicht schwer.

Von gesellschaftlicher Diskriminierung betroffene Menschen haben bei mir Deutungshoheit über diese Diskriminierung.

Wenn eine halbwegs bedeutende Anzahl von Menschen in einer diskriminierten Gruppe sagt, etwas sei -istisch, dann IST ES DAS. AUS. Keine Debatte darüber, OB „Schlampe“ sexistisch ist, weil es eine coole poly-Gruppe in Marburg gibt, die das reclaimt. Keine Debatte um „ob“.

EINFACH. KEINE. DEBATTE.

Wenn Ihr das „wie“ und „warum“ nicht versteht oder einseht, findet es selber für Euch raus, oder fragt. Höflich. Bescheiden. In wenigen Worten. Mit etwas Glück hat jemand Spaß daran, das zu erklären. Betrachtet diskriminierte Menschen als Spezialist_innen für ihre Diskriminierung. Geht davon aus, dass Ihr keine Ahnung vom Thema habt, und dass es ein riesiger Gefallen ist, den Euch andere tun, wenn sie es Euch erklären. Frag ich Dich, ob Du meinen Kleiderschrank zusammenbaust und das Wohnzimmer fegst? Nein? Warum sollen andere ihre Zeit damit verbringen, Deine rechthaberischen, zeit- und raumfüllenden Ahnunglosigkeiten zu widerlegen?

Spart Euch bitte, bitte die unaufrichtige Haltung, Ihr wolltet ja nur diskutieren. Ihr wollt Recht haben und behalten, und die „klär mich auf“-Haltung heißt nichts als die Weigerung, die bereits überall geleisteten Erklärungen zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen.
Wenn Eure Aussage hinausläuft auf Warum soll ich es denn einsehen, wenn Du mich nicht überzeugst? oder
Wenn Dir die Sache wichtig wäre, würdest Du mir das erklären!, schluckt sie besser einfach runter. Nicht nur werde ich sie voraussichtlich nicht veröffentlichen, sondern diese Haltung macht mich wütend wie sonst kaum was.

Fragt Euch, ob Ihr ernsthaft dieser Mensch sein wollt, der Frauen zwingt, in einem speziellen schriftlichen Extra-Essay NUR FÜR EUCH zu beweisen, warum „Schlampe“ nicht geht, oder People of Colour, warum „M*hr“ keine Option ist. Fragt Euch, ob Ihr die Person sein wollt, die die Debatte um Gender_Gap statt Binnen-I damit aufhält, dass Ihr nicht einseht, warum das generische Maskulinum nicht ok ist. Obwohl es schon an tausend Stellen überall im Internet ausgehandelt wurde, aber Ihr wollt es in kleinen Löffeln persönlich gefüttert bekommen, bevor Ihr es einseht*.

Fragt Euch, ob Ihr diskriminierte Leute damit aufhalten wollt, ihnen zu erklären, dass sie keine Ahnung haben, wovon sie reden. Fragt Euch, ob Ihr ernsthaft, wirklich, glauben wollt, dass Ihr es besser wisst als betroffene Menschen.

Wenn Ihr nicht sicher seid, was betroffene Menschen zu einer Sache sagen, sucht im Internet.

Lernt Derailing for Dummies auswendig.

Act like you got some home training.

Check your privilege.

Solange Ihr nichts hiervon einseht, allen voran die Deutungshoheit, veröffentliche ich (außer zu Spaß- oder Demonstrationszwecken) Eure Kommentare nicht. Aus.

 

Nachtrag: Tatsächlich sollen wir es Euch in kleinen Löffeln füttern, während Ihr strampelt und schreit und tretet und uns die Hälfte wieder ins Gesicht spuckt. Und neeeein, dafür bekommen wir nicht Respekt oder Dank oder sowas? Im Gegenteil, wir dürfen froh sein, wenn Ihr nicht wütend auf uns seid deswegen oder verächtlich, während Ihr stolz seid, dass Ihr so toll gekämpft und alles aufgegessen habt.
Millionen strampelnder privilegierter Menschen, die erpresserisch („Wenn Du mich nicht hier und jetzt überzeugst, vertrete ich weiter meine *-istischen Ansichten!“) von den Menschen, die sie vorgeben, nicht diskriminieren zu wollen, nach Belieben Lebenszeit beanspruchen.

Guess what? Ich habe ein eigenes Leben. Andere Menschen haben ein eigenes Leben. Es ist nicht unsere Verantwortung, Eure *-istischen Ansichten zu ändern, und wenn wir keinen Bock haben, JETZT UND HIER, wann immer es Euch beliebt, eine kleine Privatstunde für Euch abzuhalten, sondern statt dessen einen Kaffee trinken gehen, habt Ihr nicht gewonnen und dürft weiter glauben, dass Ihr bei den Guten seid.
Ihr vertretet *-istische Ansichten und benutzt unsere fehlende Bereitschaft, Euch zu hätscheln, als Ausrede dafür.

Ich weiß nicht, wie oft ich manche Diskussionen schon geführt habe. Ich weiß nur, dass es mich all meine Überwindung kosten kann, höflich zu bleiben.
Den letzten weißen männlichen Uni-Dozenten, der eine ad hoc-Überzeugung von mir wollte, um „Studierende“ statt „Studenten“ zu sagen (denn warum sollte er Uni-Publikationen lesen, geschweige denn, sich an sie zu halten), hab ich angebrüllt:
Jede Wette, dass er anschließend noch überzeugter war, im Recht zu sein, und außerdem sagen würde, ich hätte nur meiner Sache geschadet.

Leute, ich habe wirklich, wirklich keine Lust auf Euch.

Prolls und Kampflesben, vereinigt Euch! Was wir eigentlich nie über Bisexualität hören wollten, aber leider den Podcast nicht ausgemacht haben

Eine potentiell ca. hundert-teilige Kommentarserie zum Podcast Was Ihr schon immer über Bisexualität wissen wolltet in Deefs und Paulas Bi-Stammtisch aka Bisexualität.org. Ich bin selber bi/queer/pan/poly, also Mono- und andere Sexismen stecken lassen. Danke.

Zur Einführung: Der grausame Irrtum der prinzipiellen Fluffigkeit der Welt

Viele weitgehend privilegierte Menschen kennen das Problem: Eigentlich war immer alles halbwegs machbar im Leben, vielleicht mal in der 8. Klasse oder der Führerscheinprüfung durchgeflogen – aber plötzlich ist irgendwo was schwierig. Ernsthaft schwierig. Schlimm. Schön, aber kompliziert. Schrecklich. Vielleicht merke ich sogar, dass ich durch die ein oder andere Eigenschaft in unserer Gesellschaft von den meisten Leuten nicht gerade cool gefunden werde, oder dass ich damit dachte, allein zu stehen, aber in Wirklichkeit sind da draußen noch andre, denen es genauso geht?

In diesem Entwicklungsstadium gehöre ich zu der unübersehbaren Menge der Menschen, die in dieser Gesellschaft ein Problem erkannt haben und glauben, dass es der geheime Mittelpunkt der Welt ist – zumindest aber, dass alles andre sonst schon soweit halbwegs nett ist.
In diesem Entwicklungsstadium entwickle ich ein Sendungsbewusstsein, um alle Welt über meine neue wichtige Sache aufzuklären, und andre Leute zu finden, denen es so geht wie mir. Und da ich ein netter Mensch bin, und glaube, dass schon alles prinzipiell okay ist, hier bei uns, mache ich mir nicht groß Sorgen, dass ich da was falsch machen könnte.

Das ist, wie viele von uns nach dem ersten Entdeckungstaumel feststellen mussten, ein grausamer Irrtum. Tatsächlich ist es so, dass – VORSICHT SPOILER – die Welt nicht nur insgesamt komplett ungerecht ist, sondern auch alle von uns ständig aktiv diese Ungerechtigkeit fortführen. Unpolitisch und neutral, liebe Leute, gildet nicht und gibt es nicht. (Verdammt, ich kann nicht glauben, dass ich das schreibe.)

So, persönliches Bekenntnis: Ich bin eecht, echt froh, dass ich vor zehn, fünfzehn Jahren keinen Blog hatte. Das mit dem Internet ist fies – ich bin sicher, dass ich in zehn Jahren unter den Tisch krieche bei dem Gedanken, was ich momentan veröffentliche, aber: Vor zehn, fünfzehn Jahren war es schlimmer. Echt. Ihr wollt es nicht wissen. Also, Verständnis vorhanden für Entwicklungen in Persönlichkeit und politischer oder gesellschaftlicher Erkenntnis, aber: Scheiße ist dadurch trotzdem scheiße.

Teil 1: Hippe urbane Menschen und ihre Feind_innen

Zur Sache.
Dieser Teil: Okaye und nicht okaye Vokabeln für Leute, die ich doof finde.

„Proll“ ist, alle meine lieben co-ex-bürgerlichen Kinder, die jetzt eine hippe (Jung-)Erwachsenenzeit durchleben und ihre erste eigene Diskriminierung entdecken: KEIN. OKAYES. SCHIMPFWORT.

Ich habe das früher verwendet. Ich schäme mich jetzt dafür. Fuck, es tut mir leid.

Es ist, anders als Ihr vielleicht jetzt dachtet, nicht so ein Wort, was man schick verwenden kann, wenn man grad die Nase über jemand mit den falschen Klamotten und der falschen Sprache rümpft, und es ist einfach nur ein Ausdruck davon, dass Ihr cool seid und die andre Person uncool. Es handelt sich um, bitte mitschreiben, ein klassistisches Schimpfwort, das Menschen abwertet, die weniger materielles Privileg haben in dieser Gesellschaft als ihr. Das Wort kommt, lest es nach (aber Ihr wisst es ja auch aus Eurer Gymnasialzeit, richtig?), direkt von der Bezeichnung für die unterste gesellschaftliche Schicht im antiken Rom, der Besitzlosen.

Ein kleiner Moment der wikipedia, Fettdruck von mir:

Heute wird Prolet – in einer weiteren Verkürzung auch Proll oder Prolo – umgangssprachlich als abwertende Bezeichnung verwendet für Menschen, deren Umgangsformen und Lebensstil als unkultiviert empfunden werden. Damit findet eine Bedeutungsverschiebung statt von „Angehöriger des Proletariats“ in Richtung „Angehöriger des Pöbels“, und somit eine Verstärkung der abwertend-diskriminierenden Konnotation.

Es gibt, meines anekdotischen Wissens, hier und da reclaiming-Ansätze, von im Gegensatz zu Euch tatsächlich coolen Leuten, die das Wort als Selbstbezeichnung nutzen. Aber wenn Ihr es in der üblichen Bedeutung verwendet? Seid Ihr einfach nur scheiße. Es tut mir leid, das jetzt so sagen zu müssen.

Hippe urbane Alternativkulturkinder dieser re:publica: Ihr wollt doch ein bisschen links wirken, oder? Nicht zu sehr, aber schon irgendwie so, dass Ihr nicht zu den Spießern gezählt werdet? Vermutlich seid Ihr sogar bei den Grünen oder so.

Also, Tipp des Tages? Die Verwendung des Wortes „Proll“ oder „prollig“ in abwertender Bedeutung macht Euch zum Klassenfeind klassistischen Menschen.

Danke.

Nachtrag:
Okay, die Verwendung des Begriffs „Klassenfeind“ war ziemlich daneben. Nicht weil es ein fieser persönlicher Angriff wäre in der Art, wie StefanMz es nahelegt; Diskriminierende Sprache bleibt diskriminierend. Sondern weil die analytische marxistische Verwendung, die ich meinte, eine andere Sache ist als die in UdSSR oder DDR praktizierte politische Verfolgung von Menschen, und letzteres viel eher die geläufige Verwendung ist. Nicht witzig. Westprivileg. Ich Arsch. Verzeihung.

Betrunkene Arschlöcher feiern Junggesellenabschied im öffentlichen Nahverkehr

Bin ich spießig, wenn ich nicht will, dass Heterosexuelle ihr Privatleben in aller Öffentlichkeit austragen?
Gerade dieses Dauervereinigungsritual, auf das sie aus unerfindlichen Gründen so stolz sind, dass sie nicht wollen, dass es irgendwer nachmacht?

Vorab muss ich dazu sagen: Ich bin wirklich nicht heterophob.

HEY! Wirklich nicht!

Ich habe viele Freunde und Freundinnen, die heterosexuell sind. Ich finde zwar manches übertrieben – zum Beispiel die aufgesetzt und künstlich wirkende Mackerhaftigkeit vieler heterosexueller Männer, die, ich kann mir nicht helfen, doch manchmal eher unnatürlich und abstoßend auf mich wirkt. Und ich muss vielleicht nicht unbedingt zuschauen, wenn sich eine Frau und ein Mann vor aller Augen, äh, küssen. Aber viele Heterosexuelle sind im Grunde genommen wirklich sehr nette Leute. Um ganz ehrlich zu sein: Auch ich bin eine grobe, aber für die Meisten klar erkennbare Annäherung daran, was Leute unter „Frau“ verstehen, und wenn das auch vielleicht das IOC nicht finden würde, so hat sich doch noch keiner beschwert von den Reihen von, und jetzt kommt’s, Männern, mit denen ich Sex hatte. Ja, auch ich habe Sex mit Männern. Auch ich bin (oft) heterosexuell.

Aber ich möchte auch, dass diese Art zu leben toleriert wird. Und dazu müssen wir uns an die restliche Gesellschaft anpassen.

Was ich meine?
Vielleicht ein kleiner Test.

Frage: Welches Verhalten wird von vielen Menschen in einem Nahverkehrszug als unhöflich, aufdringlich und/oder unappetitlich empfunden?

Mögliche Antworten:
Weiterlesen

Ich bin nicht Euer Anti-Ismus-Ticket.

Verehrte, gemochte, interessierte und/oder unbekannte Leser_innen!

Ich schreibe Kram aus einer persönlich geprägten, Weißen, hetero-, mono- und „nur“ sexistisch diskriminierten Perspektive von jemand mit Klassenprivileg, einem nicht wesentlich behinderten Körper und einer psychischen Störung. Das alles sind keine Eigenschaften, mit denen ich mich in jedem Fall oder freiwillig identifiziere, aber es sind Eigenschaften, die meine Wahrnehmung und die Texte hier prägen.

Ihr wollt was über Rassismus wissen?

FRAGT VON RASSISMUS BETROFFENE MENSCHEN.

Ihr wollt was über das Leben mit (anderen) Behinderungen wissen, oder wie Klassismus sich auf das Leben bei uns auswirkt?

LEST DAS WOANDERS NACH.

Fangt bei meiner Blogroll an, wenn Ihr keine anderen Seiten kennt. Und sucht von da aus weiter.

Ich bin vor kurzem wirklich erschrocken, als ein_e Freund_in meinte, ich würde ja immer so viel schreiben und erzählen, dass sie_er die ganzen Blogs nicht noch selber lesen müsste, die ich da verlinke.

Woo hoo.

Das heißt, ich nehme in diesem Fall mit diesem Blog effektiv anderen marginalisierten Stimmen den Platz weg.
Das denkbare Gegenargument „ich würde das ja sonst auch nicht lesen“ verschleiert das nur: In diesem Fall sorge ich sogar noch dafür, dass aufgrund des Desinteresses kein schlechtes Gewissen aufkommen wird.

Noch nie hat mich etwas so sehr dazu gebracht, daran zu zweifeln, ob ich wirklich bloggen sollte.

Freue ich mich, dass es männliche Antisexisten gibt?
Ja.
Freue ich mich auch dann noch, wenn der männliche Antisexist direkt neben mir steht, und der Typ mit der sexistischen Bemerkung vorhin mich nichtmal mit dem Arsch anschaut (UGH hysterische Kampfemanze), aber an den Lippen des charismatischen, entspannten, klugen Antisexisten neben mir hängt, der 70% seiner Gedanken in diesem Bereich von mir hat?
NEIN.

Ich schreibe über -Ismen, weil ich es schrecklich finde, was sie aus unser aller Leben machen. Ich schreibe das aus meiner beschränkten Perspektive.
Ich schreibe das alles NICHT, damit Leute sich bei mir ihr gutes soziales Gewissen für diesen Tag abholen können.

Ende.

Fünf Weiße Typen erzählen uns von Unterdrückung, oder: Vermutlich bin ich einfach nicht links.

UPDATE:

Danke an die, die mich mit dem kleinen Satz zu den politischen Bewegungen und der Fortsetzung der Unterdrückung zitieren, ABER: Mir wird ganz mulmig, wenn ich daran denke, dass ich ja nur etwas umformuliert habe, das längst von Anderen in den Raum gestellt wurde – auch wenn das prinzipiell für alles Geschriebene gilt, gibt es doch einige Menschen oder Kreise, die einen sehr starken Einfluss haben, mehr als andere.  Obwohl ich sie unten im direkten Zusammenhang schon deswegen zitiert habe, hier noch einmal Angela Davis:

This notion of intersecting or crosspatched or overlaying categories of oppression is one that has come to us thanks to the work of women of colour feminists.

Diese Auffassung von sich überschneidenden oder zusammengesetzten oder sich überlagernden Kategorien der Unterdrückung ist eine, die wir den Werken von Women of Colour-Feministinnen verdanken.

Ja. Und das wird zuwenig gewürdigt. Danke.

Update Ende.

Fangen wir so an: Neulich fand im Atrium Maximum der Uni Mainz ein Symposium statt zum Thema „VERTEIDIGEN. KRITISIEREN. ÜBERWINDEN. Das Grundgesetz auf dem Prüfstand“, veranstaltet vom Kritischen Kollektiv, organisiert in der IL, diskursiv, der Jenny Marx Gesellschaft, AFP e.V. und dem AStA der Uni Mainz.


Das ist vermutlich nicht nur einen Samstag wert,

dachten wir und tauchten zum zweiten Vortrag auf. Publikum: Deutsche Universitäts-Linke vielleicht, mit ein, zwei Ausnahmen weiß, bloß nicht zu schick, vielleicht etwas weniger Frauen, die Typen vielleicht etwas Wichtiger, so halt. Altersmäßig durchaus gemischter, als es die Veranstaltung an der Uni vermuten ließe.

Die Vortragenden: Deutsche Universitäts-Linke vielleicht, … ja. Nur inzwischen Professoren, und nichtmal mehr Frauen.

Gut, soweit die soziale Realität an den Unis – wobei, falsch. Es gibt People of Colour an unserer Uni, genauso wie Menschen mit sichtbaren Behinderungen. Auch Professorinnen. Mehr als in diesem Raum. Auch anteilig.

So weit also, so mittelmäßig, das Essen (Chili mit Brot, Getränke) kostet, keinen Selbsteinschätzungspreis, sondern feste Preise. Die Veranstaltung muss ja finanziert werden. Gut, kein Thema, trinken kann ich zur Not auf dem Klo, Essen mitbringen.
Und Weiße Männer sind ja nun nicht per se Menschen, die ich nicht reden hören möchte – traurig für eine linke Veranstaltung und auch etwas ärgerlich, wenn man bedenkt, wer es finanziert, aber nun sind die Vortragenden da und können nicht in erster Linie etwas dafür, dass sie alle ein bisschen gleich aussehen. Sie sollen ja zum Grundgesetz sprechen.

Also sprechen sie.
Vom Kapitalismus. Vom Staat.

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ihr verarscht mich doch.

tada.
Eröffnungskandidatur für eine Kategorie, die in keinem Blog fehlen sollte, via Der Schwarze Blog:


Thilo Sarrazin stellt im Haus der Kulturen der Welt sein neues, ähem, Buch vor.

Echt jetzt. Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin.

Auszug, nach Migrationsrat Berlin&Brandenburg:

„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. (…) Demografisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar.“

„Kulturen der Welt“? WAAAHH, raus aus Deutschland! Zur Not wenigstens kleinhalten. Klar, Herr Sarrazin, ist ja auch nichts Neues.

Vorlage für ein Protestschreiben in deutscher und englischer Sprache und weiterlesen: Der Schwarze Blog oder mrbb.


Schnell weg hier

Dem Haus der Kulturen der Welt wird die ganze Sache inzwischen offensichtlich zu unheimlich: Höchste Zeit, in einer Pressemitteilung zu whitesplainen, wie die Einladung von Sarrazin natürlich als völligst subversive Veranstaltung geplant war:

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