Kategorie: geek

I’m serious this time, People. Crowdfund das coolste Spiel aller Zeiten!

cross-posted auf takeover.beta

Viele kennen mich vielleicht für verschiedene Anfälle von extrem schlechter Laune, was so Unterhaltungsmedien angeht.
Das liegt daran, dass ich gern zocke/ Comics lese/ Filme schaue, und dann nachher entgiften muss, sozusagen.

ABER ICH KANN AUCH BEGEISTERT SEIN!

Enter mein neues Lieblingsspiel von Deirdra Kiai :

Dominique Pamplemousse in “It’s All Over Once the Fat Lady Sings!”
(auf englisch, genauso wie die meisten Links)

Ich scheitere komplett daran, zu beschreiben, WIE COOL ich es finde – wer auf Kritiken steht, hier ist eine Auswahl, von Kotaku über RockPaperShotgun bis The Border House.
Für die, die wie ich mit Kritiken meist eh nicht viel anfangen können, gibt’s was viel Besseres:
Eine Demo. Spielt die Demo. Ihr werdet mich verstehen! (Es gibt eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Ihr danach nicht denkt, dass Ihr das ab jetzt jeden Tag drei- bis viermal durchklicken müsst, aber ich ignoriere das mal.)

Deirdra Kiai schreibt seit Jahren geniale kleine(re) Spiele, die alle hier zu spielen sind, völlig umsonst und alles.
Aber … Dominique Pamplemousse? ist ein Stop-Motion-animiertes Musical-Computerspiel um ein_e abgebrannt_e
Privatdetektiv_in uneindeutigen Geschlechts

Dominique Pamplemousse in their run-down office, landlady to the right. ‚I hate this place, but hey, at least it’s a step up from a cardboard box.‘ – aaaand go for the meta jokes!

oder anders gesagt,

Spielt die Demo, wenn Ihr mir nicht glaubt. (Spiiieelt diiiiieeee Deeeeemooooo.) EIN MUSICAL-COMPUTERSPIEL. Die Texte sind GESUNGEN. Die Musik ist selber gebastelt und PERFEKT.
Der Haken daran?
Ihr habt’s gesehen: Das Spiel hört zu früh auf! Weil es nicht fertig ist! DAS IST EIN PROBLEM!

Unser neues Lieblingsspiel hört nach zehn Minuten auf! Und warum?

Aus der Beschreibung:

I’m known for touching on personal issues in my work, such as feminism, race, gender, coming of age, and social awkwardness — subjects you’d be hard-pressed to find in most big budget videogame productions. I also prefer focussing on narrative, exploration, and problem-solving as game mechanics, as opposed to combat. Videogames aren’t just frivolous wastes of time to me; they’re how I express myself.

Weil es verdammte politische Kunst ist – aber von der unterprivilegierten Sorte.

Projekte wie diese von Künstler_innen wie dieser* haben eben nicht EA oder die Frankfurter Allgemeine hinter sich. Projekte dieser Art werden in etwa so finanziert:

(NOISEAUX – Managing Promote Organize Machine. Sorry! ausnahmsweise noch kein Transcript. Wird in wei Wochen nachgeliefert!)
Kiai hat den bisherigen Teil des Spiels, Musik, Stop-Motion-Animation, Programmierung, Schreiben, ALLES ALLES selbst gemacht und finanziert. In der Freizeit.

Und jetzt kommt crowdfunding ins Spiel, was vielleicht wie eine Spende oder was für Reiche Leute ™ klingt, aber halt etwas anders funktioniert, nämlich: Ab 1$ ist wirklich jeder Betrag willkommen – aber schon für 5 gespendete $ gibt’s hier eine Kopie des Spiels, wenn es fertig ist (und für mehr gibt’s wirklich unfassbar coole Extras) – was einfach mal bedeutet, Ihr habt halt ein Spiel für unter 5€ gekauft (und für die, die sonst auch Spiele kaufen: EHRLICH, WIE VIEL GEBT IHR SONST FÜR SPIELE AUS?). Also, wie wir dafür sorgen können, dass dieses Spiel stattfindet? SUPPORTEN. Durch Geld oder anders.

Das heißt, bitte kein sozialer Druck und kein schlechtes Gewissen für die vielen Leute, die eben keine 5€ für ein Spiel ausgeben können, auch wenn sie’s noch so toll finden. Aber für die weißencisTypen, die nebenher 50€ für das neue was weiß ich von Bioware ausgeben, bei Spielen wie diesen aber „vergessen“ mitzumachen, obwohl sie’s schon ganz cool finden, hab ich im Anschluss einen kleinen Zusatzrant.

Ansonsten, wenn Euch das Spiel eben auch begeistert:

Even if you’re as flat broke as Dominique and can’t contribute financially, any kind of support you can give is super appreciated.

Weitersagen, Leute fragen, promoten. An die Managing Promote Organize Machine denken, mit der Indie-Projekte funktionieren, und mithelfen.

Und hier der versprochene Zusatzrant!

Wenn ich mich mal wieder über Ismen in Popkultur aufgerege, jammern mir Leut regelmäßig die Kommentare voll. Die Armen Autoooooreeeeen Müssen Doch Istisch Sein, Sonst Verlieren Sie Ihre Jooooobs!!! schreiben sie dann, Die Anderen Sind Schuld!

Meine Frage:

Schonmal drüber nachgedacht, wer die Jobs bei den großen Unterhaltungsmedien überhaupt erst bekommt?

Für jeden der Typen, die Euch so unglaublich cool und geekig vorkommen, während sie ihre (Triggerwarnung hinter dem Link!) scheiß Mackerwitze reißen (HA LUSTIG STELL DICH NICHT SO AN ER HÄTTE SEINEN JOB VERLIEREN KÖNNEN WENN ER NICHT MITGELACHT HÄTTE), und die irgendwie immer weiß vorübergehend nicht behindert cis hetero sind – gibt’s x Frauen*BehinderteTrans*QueersofColor, die aus „unerfindlichen“ (= *istischen) Gründen durchs Bewerbungsraster fallen. Oder durch welche Methoden auch immer weiße Mittelstandstypen ihre Kumpels sonst in diese Positionen holen.

Schon mal drüber nachgedacht, welche Autor_innen mit welchen Themen für ihre Romane überhaupt einen Verlag finden?
Welche Musiker_innen die Verträge und Kohle bekommen, welche Künstler_innen die Feuilleton-Reviews?

Nicht, dass veröffentlichte Autor_innen nicht gedrängt würden, aus ihrem schwulen Protagonisten doch lieber ne Hete zu machen – aber manche Romane werden auch einfach nicht veröffentlicht. Heißt andersrum?

Die Leute, die die Sachen Mit Öffentlichkeit machen? (im Buchladen, unter den Spieleautoren*?) Sind schon eine Auslese der privilegierteren UND heterosexistischeren, rassistischeren, etc. Menschen.

Mal so direkt gesagt.
Heißt nicht, Alle Böse – und sowieso, Tolle Ausnahmen, die sich trotzdem durchgekämpft haben, ändern nix an der Regel.
Aber – die Gesellschaft fördert privilegierte Bullies? Ach was o.O – – ÜBERRASCHUNG!! … nicht.
Also, Mitleid, meins? In Grenzen.

Und während Ihr Eure Identifikationsfigur-Kumpels in der *istische KACKSCHEIßE-produzierenden Spieleindustrie verteidigt?

Krabbelt DAS BESTE SPIEL DER WELT auf Indiegogo herum, um ein paar Tausend beschissene Euro zusammenzukratzen. WAS FÜR EIN BUDGET, Leute. Ihr unterstützt es nicht, weil marginalisierte Menschen und ihre Themen und Spiele und Kunst und Leben Euch am Arsch vorbeigehen, weils Euch scheißegal ist, weil eh JEDES Spiel für Euch gemacht wird, warum braucht Ihr denn sowas? – deshalb lest Ihr auch nicht The Border House, wo Euch das Spiel hier aufgefallen wäre. Aber im nächsten Kommentarthread zum nächsten Ismus-Komplettfail-GroßeFirmaSpiel kommen unweigerlich Eure scheiß privilegierten Krokodilstränen. Und das ist der Grund, warum Ihr mich so ankotzt.

 

Edit 4. 9. 2012: Titel geändert nach Kritik am offensichtlichen Scheiß (äh, Lookismus?) & Alternativvorschlag von Zweisatz. Danke!
Verspätung wegen verreist gewesen ohne Internet.

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„Sexismus oder Faulheit?“ IHR KÖNNT MICH.

Ein Servicepost.
cross-posted auf takeover.beta

Inhaltswarnung 1. Absatz: sexualisierte Gewalt in fiktiven Medien (danke für Erinnerung an Zweisatz)

Anlass:

 
 
Ich erkläre.

Mitten in die schönste Diskussion um … hmm, dass es keine weiblichen Tuskarr gibt bei World of Warcraft oder Elcor bei Mass Effect, dass schon wieder ein weiblicher Charakter Mysteriös Schwanger wird, dass zum VIERMILLIARDSTEN Mal eine Vergewaltigung (oder gleich ein paar hundert) die Protagonistin dazu bringen, Hart Und Beziehungsunfähig ™ zu sein, platzt unweigerlich jedesmal immer immer immer dieser Typ, weiß, cis, hetero, Science Fiction-/Fantasy-Geek (WIR KENNEN IHN ALLE) und sagt in etwa das Folgende:

„Ich glaube nicht, dass das SEXISMUS ist – die Spieleentwickler haben halt einfach Kosten gespart.“ (Wahlweise: Der Autor war einfach zu faul, sich was anderes auszudenken.)

Er sagt es ernsthaft.
Er denkt wirklich, das sei eine sinnvolle Antwort.
Er sagt das im Anschluss an eine minutenlange Diskussion zu Sexismus.
Als sei noch niemand in der Runde auf „ES WAR EINFACH NUR FAULHEIT!!1“ gekommen.

Das „Faulheit-nicht-Sexismus-Argument“ ist einfach Müll.

Das ist keine „zufällige“, sondern sexistische Faulheit.
Es ist sexistisch, bei männlichen Charakteren das Design oder individuelle Plots als zentral und interessant zu sehen, und die Ausgestaltung von weiblichen Charakteren als eine Art Bonus für Fleißpunkte, für den halt am End keine Kohle/ Zeit/ Bock mehr da war.

Das gilt übrigens genauso für jede andere Art von Faulheit-nicht-*ismus-Argument, z.B. „Alle sind Hetero? Das ist nicht heterosexistisch ‚gemeint‘ – der Autor war halt einfach zu faul, sich was anderes auszudenken.“

Spezifisch zu der Praxis in Science Fiction/Fantasy-Spielgestaltung, bei irgendwelchen nicht menschlichen „Völkern“ oder „Rassen“ die „females“ einfach mal wegzulassen (in einer Welt, die grundsätzlich immer in „männlich“ und „weiblich“ eingeteilt ist):

Das funktioniert meist über eine rassistische Instrumentalisierung von feministischen Themen, die in SF/F exakt genauso aussieht wie in der restlichen Welt: Irgendwelche nicht weiß/menschlichen „Völker“ oder „Rassen“ werden konstruiert, die „ihre Frauen“ schlecht behandeln (diese Zivilisationen werden gern auch gleich „primitiv“ und annähernd „tierhaft“ dargestellt, und die Frauen „females“ oder „Weibchen“ genannt). Auf diese Weise müssen Frauen garnicht erst designt werden, weil sie nie vorkommen (sie sind Unterdrückt ™ und in der Küche/ beim Beerensammeln/ mit der „Aufzucht“ der „Jungen“ beschäftigt, egal, bloß IRGENDWO ANDERS). Die „ganz normal (sexistische)“ weiße/menschliche Kultur, zu der der Protagonist üblicherweise gehört, kann sich dagegen als „zivilisiert“, „fortschrittlich“ und moralisch überlegen fühlen.
(Zu Rassismus in SF/F bitte hier einlesen – via N.K. Jemisin. Ich weiß aus dem Kopf keinen Artikel, der’s genau so auf den Punkt bringt, aber meine Basics hab ich aus dieser Diskussion und ihren Vorgängerinnen.)

Es geht nicht darum, dass da nirgendwo jemals Faulheit war. IM GEGENTEIL. Es geht nur um selektive Faulheit.

Der Punkt ist, dass für das Mass Effect-Universum der Seufzer „ooooch, brauchen wir jetzt WIRKLICH noch ein weibliches Salarian-Modell?“ ein kleiner, unwesentlicher Moment am Ende einer langen, langen Entscheidungskette ist, in der völlig andere Dinge eine Rolle spielen. Zum Beispiel:

„Hey, wie cool wäre es für unsere Galaktopolitik, so eine halb tierhafte dunkelh-aarige Supermackerrasse zu haben, die primitiv ist, aber auch auf schlichte Weise putzig, und dauernd nur Krieg führt in kleinen Stämmen gegeneinander? Und sie sind riesige Muskelpakete, daran sieht man, dass das mit dem dauernd kämpfen und brutal sein und keine richtige Zivilisation auf die Reihe kriegen total in Einklang steht mit ihrer biologischen Veranlagung, deshalb sind sie auch tendenziell alle ziemlich ähnlich und reden nur von Kämpfen und Ehre und so, und die einzelnen Leute sind ihnen total egal. UND SIE VERMEHREN SICH! Sie werden uns alle überrennen! Das gibt JEDE MENGE COOLE KÄMPFE!

Wir bringen sie in einen Konflikt mit, äh, den anderen Aliens, die auf ihre Weise genauso brutal sind und sie durch, äh, Wissenschaft ausrotten wollen (HINTERGRUND, LEUTE), und menschliche Helden können dem dann zwiespältig gegenüberstehen, sich generell aus allem raushalten und natürlich an nichts schuld sein.

Fertig!

Oh, ach, Frauen?
Für die GANZEN Alien races, die wir uns grad ausgedacht haben?
äh.
Ach, echt jetzt.“

Der Punkt ist also weniger Faulheit als Interesse für eine andere Art von Geschichte, in der nicht menschliche Aliens als stereotypisierte Einheit gedacht sind, und in der deshalb Frauen, als eh nur Fortpflanzungsträgerinnen der in der Regel männlich gedachten Norm-Aliens, einfach nicht relevant sind.
„Alienfrauen“ gibts ja auch schon als eigene Rasse.

Desinteresse an Nicht Männern, die irgendeine andere Funktion erfüllen als Sexy Eye Candy mit stereotyp weiblichen, für weiße cis Heterotypen unbedrohlichen Eigenschaften ist in meiner Terminologie aber nicht „Faulheit“, sondern „Sexismus“.

Und was ist das Perfide an dem „Faulheits“-Scheißargument?

Dass das suggeriert, weniger Sexismus, Rassismus etc. wäre grundsätzlich ein MEHRAUFWAND.

FICKT EUCH. Schreibt ANDERS. Nicht mehr.

Flip Flap

Ooooh ooh ooooh ich bin sehr glücklich, denn ich hab‘ ein Geschenk bekommen!

Seht her:

Eine Flip Flap-Sonnenblume

Bild: Eine Flip Flap – Plastiksonnenblume in einem Plastiktöpfchen. In der Plastikerde ist eine kleine Solarzelle eingebettet.

Sie steht in ihrem kleinen roten Plastiktopf auf meinem kleinen Balkon in der Sonne und wackelt, hin und her und hin und her und hin und her …

Und wer dabei an die Grünen denkt, hat wirklich wieder garnichts verstanden:

Video: Ausschnitt aus dem Computerspiel „Plants vs. Zombies“ (Bobsled Bonanza-Minigame). Mit dabei: wackelnde Sonnenblumen.

Und jetzt muss ich das wieder vier Wochen spielen.

wir stören euch doch nur

Even though I never felt like I fit in even before I came out, and my comity with heterosexual men was fairly minimal, only recently did statements like that really piece me very deeply and remind me that the fantasies of men like him involved a world in which I didn’t exist. Aliens, moon sized space stations, women with three breasts, physically impossible arachnids, magic users, faster than light speed travel, yes that could all exist. But a trans woman kissing another woman? Nope. Fantasy is free from ‘politics’ remember.

Quinnae im Border House Blog.