Offener Brief an die Vornamen-schlimm-Finder_innen

cross-posted auf dem extra hierfür gebastelten tumblr.

Liebe Autor_innen des „chantalismus“-tumblr und dessen Fans,

Gerade der Hohn über die Namen Kevin oder Chantal ist ein klassistisches Phänomen (das bedeutet „die systematische Diskriminierung bzw. Unterdrückung einer Gruppe durch eine andere, basierend auf ökonomischen Unterschieden“, hier auf wikipedia). Kinder mit dem Namen Chantal, sowie einige weitere, werden schon in der Schule diskriminiert, nachzulesen in dieser Studie:

„Ungleichheiten von Bildungschancen können schon mit dem Eintrag des Vornamens eines Kindes ins Standesamtsregister beginnen. Der Grund: Bestimmte Vornamen führen bei vielen LehrerInnen zu Vorannahmen, was die Fähigkeiten und das Verhalten der Kinder betrifft.

[…]
Von dem überwiegenden Anteil der befragten Lehrpersonen werden SchülerInnen mit bestimmten Namen eher negativ oder eher positiv wahrgenommen. Als eher freundlicher, leistungsstärker und verhaltensunauffällig stellen sich Kinder mit Vornamen wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob im Bewusstsein von LehrerInnen dar, während Namen wie Chantal, Mandy, Angelina, Kevin, Justin oder Maurice eher mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit assoziiert werden. Besonders „Kevin“ hat sich als stereotyper Vorname für einen „verhaltensauffälligen“ Schüler herausgestellt. In einem Fragebogen fand sich der Kommentar „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“.

Im Gegensatz zu Eurer Aussage hier macht Ihr Euch zudem leider ziemlich durchgehend über „ausländische“ Namen lustig. Einige Beispiele:  Hier, hier, hier, hier – Nachnamen, oder hier, hier, … ach was, und quasi jeder andere Eintrag, zu Vornamen. Tatsächlich ist das einzige für mich erkennbare Kriterium für „schlimme Namen“ auf Eurer Seite (neben einer Tendenz zur Ablehnung von Doppel-Vornahmen), dass sie nicht traditionell weiß/christlich/deutsch genug für Euch zu sein scheinen – oder sehe ich hier eine_n einzige_n „Lukas“, „Sandra“, „Laura“,  „Andreas“ oder „Marie“?

Zusätzlich ist es für einige Gruppen von Menschen (intersexuelle Menschen, genderqueere/Trans*menschen) elementar wichtig, dass die schon bei der Geburt gesetzlich erzwungene geschlechtliche „Eindeutigkeit“ von Menschen und ihren Namen aufhört, bzw. dass Menschen sich ihre eigenen Namen wie ihr Geschlecht frei bestimmen dürfen. Das läuft in vielen Fällen auf nicht eindeutig „männliche“ oder „weibliche“ Vornamen hinaus, die jedoch den allergrößten Teil der „gewohnten“ weiß/christlich/deutschen Vornamen ausmachen. Traditionen wie die, in denen Eure Seite steht, sich über „komische“/“schlimme“ (sprich, neue/nicht weiße deutsche/biblische „Traditions“-) Namen lustig zu machen, machen solche Namen aber in der Praxis für ihre Träger_innen zu einem Stigma.

Selbst wenn Namen, die aus der weißen/christlichen/deutschen Tradition ausbrechen, in vielen Fällen nicht verboten sind, ist damit eine schlimme, tägliche Stigmatisierung und in vielen Fällen Diskriminierung verbunden, für Kinder wie Erwachsene.  Ich bitte Euch, zu überdenken, ob für Euch eine quasi direkte Aufforderung zum bullying und Unterstützung von Diskriminierung wirklich einfach nur der Riesenspaß ist, als den Ihr diese Seite seht.

Viele Grüße,

kiturak
https://kiturak.wordpress.com/


Nachtrag zum Brief auf tumblr:

Ich habe auch nach einigem Suchen (neben dem „normalen“ Lesen in den letzten Jahren) keinen Text von aus Minderheitenkulturen stammenden Autor_innen gefunden, der nicht weiße (deutsche/amerikanische christliche) Vornamen von Kindern weißer (deutscher/amerikanischer christlicher) Eltern im Zusammenhang bringt mit cultural appropriation/ Kultureller Aneignung. Ich meine den rassistischen Zusammenhang, in dem Mehrheitskulturen sich immer wieder Teile von Minderheitenkulturen sozusagen einverleiben (Hip Hop, Elvis, asiatische Schriftzeichen-Tattoos, Elvis, nachgeahmte „Indianer“-Romantik/Verkleidungen, Elvis, …), nicht einen kulturellen Austausch auf Augenhöhe. Für Links bin ich dankbar. Ich traue mich aus diesem Grund als weißer deutscher Mensch mit christlichem Hintergrund und wenig Ahnung nicht wirklich, etwas dazu zu schreiben, was nicht heißt, dass ich bei Vornamen in diesem Zusammenhang kein Problem sehe. Das wäre ein komplett anderes, aber wichtiges Thema.
(Ein für mich sehr sehr wichtiger Artikel in diesem Zusammenhang stammt von Lisa Nakamura, „Race In/For Cyberspace: Identity Tourism and Racial Passing on the Internet“, die speziell noch einmal auf Stereotypisierung bei solcher Aneignung eingeht.*)

Nur ist das ganz offensichtlich kein Stück weit die Stoßrichtung der weißen deutschen „Chantalismus“-Hetze und des „Kevin“-Hasses wie in dem tumblr, das ich hier kritisiere. Polemisch gesagt, „Undeutsches“ zu hassen ist, von weißen Deutschen ausgehend, in aller Regel einfach leider kein antirassistisches Engagement gegen kulturelle Aneignung.

*Artikel von Lisa Nakamura gefunden auf GenderFocus, Geek Girl Con: Feminism, Race, and Geek Culture, via Acid for Blood/Brinstar, Recap: GeekGirlCon 2011

27 Kommentare

    • kiturak

      Jo, nur
      a) ist das nicht Thema des „chantalismus“-Blogs. Thema des Blogs ist es, Menschen mit den „falschen“ Namen fertigzumachen, genauso wie ihre Eltern
      b) ist das exakt das gleiche Naserümpfen über die „falsche“/“fehlende“ Kultur (wenn auch immer noch deutlich white privileged) wie das Namen-hating,
      c) wo sonst sollen denn Baby- oder Kleinkindernamen in öffentlich sichtbarer, schriftlicher Form auf Fotos herkommen, außer von Auto-Aufklebern und Geburtsanzeigen?
      d) warte ich auch immer noch auf die dicken Porsches und BMWs mit schlimmen Namen. Bislang sind das weitgehend Klein- und Mittelklassewägen (Bitte jetzt nicht anfangen, mir Gegenbeispiele von außerhalb des Blogs zu zeigen. Die, die es dorthin geschafft haben, sind’s jedenfalls nicht.)

    • zweisatz

      Das kritisiert der Tumblr für mich ganz klar nicht, weil

      a) nicht nur Autos gezeigt werden
      b) es absolut anmaßend von dir ist, die Nase darüber zu rümpfen, was Leute mit ihrem Auto machen und
      c) wie kiturak schon sagte nur eine ganz bestimmte Gruppe von Namen zur Schau gestellt wird

  1. sem

    Ich danke dir für den Artikel. Ich finde es wichtig, mir auch selbst immer wieder klar zu machen, wie ich mit Namen umgehe und welche Vorannahmen ich ihretwegen treffe. Haben die Blogschreibenden auf deinen Brief reagiert?

    Ein Problem habe ich jedoch mit „christlich“ als Ordnungskategorie. Viele der Namen (David, Noemi, Lilith etc.) sind hebräischen Ursprungs und stammen sehr wohl aus der Bibel. Sie stehen also für ein sehr altes Erbe Europas. Die Nachnamenendungen, deren Kritik ich vollkommen teile, scheinen mir überwiegend aus dem slawischen Raum zu kommen. Auch da ist das Christliche historisch vorherrschend gewesen.
    Ich glaube, es läuft ein bisschen deinem Argument entgegen, solange es sich nicht um Namen handelt, die offensichtlich nicht aus dem europäisch-historischen Kontext kommen. Es sei denn, es geht darum, dass es explizit hebräische Namen sind. Dann müssten wir aber genau sein und die Namensgeschichte aller herausfinden. Nur einen nicht-christlichen Ursprung allgemein anzunehmen, ist dem Fall von Namensdiskriminierung zu wenig. Das wirkt etwas willkürlich. Ich stimme dir zu, dass mit „weiß“ und „Klasse“ im Bezug auf diese Namen die Diskriminierung offensichtlich wird, aber nicht durch die Religion „nicht-christlich“.

    • kiturak

      Hallo, und danke! Nein, bislang gibt es keine Reaktion, abwarten.

      zum Thema „christlich“:
      Jein, das hab‘ ich vermutlich durch die Formulierung „weiß/christlich/deutsch“ nicht deutlich genug gemacht. Mir ging es um eine, wie gesagt, weiße deutsche Tradition der Namensgebung, in der biblische Namen (alt- wie neutestamentarisch), wie Du auch sagst, eine zentrale Rolle spielen. Nicht darum, dass jeder der Namen dort in jedem dieser Bereiche ausgegrenzt sein muss. Ich nehme nicht generell einen nicht-christlichen Namenshintergrund an. Sehr viele der Namen auf dem Blog sind, wie Du sagst, tatsächlich christlich, wenn auch in der Regel nicht deutschsprachig, aber Namen in europäischen Sprachen (oder Abwandlungen davon). Nicht „weiße“ (europäische?) Namen sind vermutlich die, die die Autor_innen der Seite ohnehin als „ausländisch“ einstufen, womit sie sich „nicht auskennen“. (Trotzdem gibt es reihenweise Beispiele von nicht-christlichen Namen dort, auch nicht „weiße“ – z.B. die Cheyenne-Varianten.)

      Wie Du aber vermutlich bemerkt hast, reicht ein alttestamentarischer Name in der Regel (selbst, wenn er nicht deutschsprachig ist) nicht aus, um es in die Schlimmheits-Kategorie des Blogs zu schaffen. Dazu muss in der Regel erst ein doppelter Vorname her, am Besten einer, der noch aus einer anderen Sprache stammt.

      Anders gesagt, christlich/nicht christlich ist nur eine der Ausgrenzungskategorien, christlich/biblisch „reicht“ nicht, um den Namen „ok“ zu machen, aber umgekehrt ist „nicht christlich“ in Kombination mit „nicht deutsch“ ein ziemlich guter Garant, um auf die Blog-Zielscheibe zu kommen, bzw.: Die meisten nicht-christlichen/biblischen Vornamen landen ja nichtmal auf der Seite, weil sie als „ausländisch“ offensichtlich eh außerhalb der Konkurrenz laufen.
      Zu Diskriminierungsunterschieden [Nachtrag: bei Vornamen], die gezielt auf der Religion beruhen, was in Deutschland aktuell besonders antimuslimischen Rassismus bedeutet, gibt es auch Studien, z.B. für Frankreich: Fake CVs reveal discrimination against Muslims in French job market.

      • kiturak

        Oh, und ich wäre vorsichtig, das „europäische Traditions“-Argument mit „Lilith“ zu machen. Der hat, ebenso wie, äh, Kain oder, hm, Luzifer? zwar in gewisser Weise eine (auch) europäische Tradition, aber nicht wirklich in der Namensgebung. Hence, „komisch“/“schlimm“-Kriterium.

        Es gibt ein sehr klares christliches Privileg in Deutschland, zu dem „akzeptierte“ Vornamen gehören. Die hebräischen/biblischen Vornamen, die ich hier völlg vereinnahmend als „christlich“ bezeichnet habe, können genausogut, oder viel eher jüdisch sein, sind aber nicht als solche privilegiert (im Gegenteil), sondern weil sie in christlicher Tradition genutzt wurden, und darauf wollte ich hinaus. Falls jemand einen Vorschlag hat, wie sich das formulieren lässt, ohne (deutsche) jüdische Kultur mal einfach unter den Tisch fallen zu lassen, bin ich dankbar.

  2. Delilah

    Ich bin grad nicht sicher, ob ich deinen Nachtrag richtig verstehe. Dir geht es darum, dass diese Namen eine Form von cultural appropriation sein könnten, oder? Sind denn die Namen, um die es geht, nicht hauptsächlich französische und englische? Kann man da überhaupt von appropriation sprechen?

    • kiturak

      Hm, der Nachtrag bezog sich ja auf ein Problem, das ich in diesem Zusammenhang sehe – das bezieht sich in den meisten Fällen nicht auf die Namen in dem Blog, aber sehr wohl auf das Argument, das ich ja indirekt in gewisser Weise mache, dass kulturübergreifende Namen generell ok sein sollen. Nee, für französische/englische/schwedische etc. Namen gilt das nicht; sehr wohl aber für die Varianten von Cheyenne, Niraj etc. Aber auch für alle die Namen, die es qua dann-doch-zu-sehr-„ausländisch“ nicht auf die Liste schaffen (wo ja ziemlich deutlich wird, dass es dabei um sehr deutlich rassistisch diskriminierte Namen geht – nicht etwa irischsprachige, was ja technisch gesehen auch „ausländisch“ wäre.)
      Das heißt, das ist mehr ein genereller disclaimer für den „alle sollen sich einfach irgendwie nennen dürfen“-Ansatz.

  3. kiturak

    Oh, und auf interessierte Nachfrage: Nein, unser Schaden am Dach wurde zum Glück schon im letzten Winter ausgebessert – angesichts dessen, dass es durch ein komplettes unbewohntes Stockwerk hindurch in unser Badezimmer getropft hat, dann doch irgendwie erleichternd. Wenn ich lachen will, gehe ich meist nicht in den Keller (?), sondern setze mich an meinen Rechner und suche etwas annähernd Lustiges, z.B. absurde Comics oder meine neuesten Blog-Kommentare.

    Mehr Fragen zu Immobilien jederzeit an kiturak (at) gmx (punkt) de, oder, you know, :-* my ass.

  4. Sven68

    [restlichen bla gelöscht, nichts zu danken – kiturak] Kritisiert lieber die Eltern, die das Leben ihrer Sprösslinge ohne Not verkomplizieren und die oben zitierte Benachteiligung in Kauf nehmen.

    • kiturak

      Ok, Sportsfreund: Zuhören & lesen statt schreiben! Heute: Victim Blaming.

      Das Problem hier sind Leute, die sich anderen Menschen gegenüber wie Arschlöcher verhalten. Nicht die anderen Menschen. Das Problem hier bist Du. Nicht Kinder mit coolen Namen, oder ihre Eltern.

  5. Uli

    Als ich noch bei den psychologischen Bildungswissenschaften arbeitete, meinten die Dozentinnen (kein gender gap, da alles Frauen waren), dass es der Kevin-Hass auch in die Fachliteratur geschafft hat. In Fallbeispielen werden also überzufällig häufig Kevins zu s. g. verhaltensauffälligen Schülern stilisiert. Ähm, ja. -.-

      • Uli

        Oh ja, der Ausbildungsapparat der L3-Lehrkräfte steht voll hinter der Tatsache, dass Schule eine Mittel- und Bildungsschichteinrichtung ist. Damit bleibt auch klassische Bildung (im Gegensatz zum vollen Spektrum der sehr diversen menschlichen Kompetenzen) einer der zentralen Pfeiler, die den „Wert“ eines Menschen bestimmen sollen.
        „Klassische Bildung“ ist natürlich ein etwas überzogener schwammiger Begriff, allerdings sehe ich ihn als Abgrenzungsinstrument von den erklärten Inhaber_innen dieser BIldung gegenüber dem Rest. So etwa im Sinne „Leitkultur“ gegen den Rest.

  6. ich, die susi

    Hier steht so viel wahres.
    Ja, der (christliche) Standesdünkel beherrscht bei dem Namensbashing alles. Wer disst schon Heinrich, Peter-Pascal oder Meike? Wer von den feinen BildungsbürgerInnen disst die falsche Aussprache von Hebräischen oder griechischen oder russichen Vornamen? Jaja.

    Eine Komponente fehlt vielleicht noch in der Analyse: Es gibt zahlreich, nun nennen wirs Stars oder Popstars, die sich mühen, besonders ausgefallene Namen zu finden und damit im Sinne des Wortes „Trend-Setter“ sind und eben einen Trend auslösen und/oder verstärken.
    Eine ausgefallene Namenswahl der Kinder kann also auch insofern sozial Aufschluß geben, als in den Beispielen z.T. Leute sind, die bereit sind, ihr Kind wie das von Boris Becker (Noah) oder Uwe Ochsenknecht (Cheyenne) oder eben nach Popbands (Desteny war echt häufig, Vorbild für Angelina dürfte auch klar sein?) zu nennen – was ja auch was sagt.

    Bei einer Sache auf Chantalismus hab ich mich aber verfluchtnochmal erwischt, herzlich zu lachen, obwohl ich weiß, daß wir alle Paradigma und Sokrates falsch aussprechen und obwohl ich einsehe, daß ich mich deswegen nicht irgendwie zu fühlen habe. Trotzdem: Der Pischelbär…
    http://chantalismus.tumblr.com/post/15771870094/keine-autokennzeichen-aber-auch-ganz-nett

  7. Pingback: Links 17 « High on Clichés
  8. euphrosine

    Jetzt hab ich auch gelacht.

    Ansonsten geb ich euch Recht: das Problem sollte nicht bei den Kindern und deren Eltern zum liegen kommen, sondern bei den Personen, die Menschen ob ihrer Namen (ob selbstgegeben odernicht) dissen. Und ja, ich kenne es auch meiner berufl. Praxis auch: Gespräch unter Kindergärtnerinnen: Nenne mal die Namen der drei heftigsten Jungs in deiner Gruppe/Kita. Die Namen kommen und die Fragende hält triumpfierend einen Zettel mit genau den Namen hoch: „Das paßt immer!“ (Erik, Kevin, Felix in diesem Fall)

    Aber ich ertappe mich auch beimKopfschütteln bei Namenskombinationen wie Marc-Aurel.

  9. zweisatz

    Habe zum Thema letztens auch tolle Ratschläge für Leute gelesen, die irgendwelche Arten von Arbeiten korrigieren, sei es an der (Berufs-) Schule oder Uni; die Person meinte, dass man auf jeden Fall die Namen nicht lesen können sollte und am besten auch Vorkehrungen treffen, dass man nicht anfängt, die Handschrift mit den Leistungen zu assoziieren. Zwischendurch dann auch mal die eigene Korrektur korrigieren lassen – mit anderen Worten jemand anderes bewerten lassen und schauen, ob es einen signifikanten Unterschied in der Bewertung gibt.
    Das Problem ist natürlich: wenn du Menschen vor dir hast, kannst du nichts dergleichen tun und nur versuchen, deine eigenen Reaktionen etwas im Blick zu haben.

  10. roswitha

    Ist vielleicht ein bisschen eingeschlafen, das Thema, aber ich habe gerade einen neuen Link aus Frankreich dazu gefunden:
    http://www.lemonde.fr/ecole-primaire-et-secondaire/article/2012/07/11/au-bac-les-madeleine-dominent-les-kevin_1731584_1473688.html
    Er bezieht sich auf einen Blog, Prénoms et mentions au bac, édition 2012
    http://coulmont.com/blog/2012/07/08/prenoms-mentions-bac-2012/

    Für alle, deren Französisch nicht mehr ganz fit ist oder weil der Link bald nicht mehr aktiv sein wird, die Kurzfassung: Baptiste Coulmont wertet seit Jahren die Resultate des französischen Abiturs nach den Vornamen aus, und ja, es gibt Zentralabi und die Ergebnisse samt Noten sind öffentlich. Der Monde-Artikel beginnt zwar mit der publikumswirksamen These, die hier ja schon ausreichend ausgewälzt ist, dass die Namen scheinbar die Leistungen beeinflussen, da aber in Frankreich die Arbeiten anonym korrigiert werden, ist das natürlich nicht tragbar. Er holt das ganze Thema dann komplett auf die soziologische Schiene: das soziale Umfeld beeinflusst sowohl die Namensfindungsstrategien der Eltern als auch die Erziehung und die kulturelle Orientierung der Kinder, welche dann langfristig dazu führen, dass die Kinder in der Schule bessere Chancen haben, Einser im Abi zu machen. Laut seinen Zahlen sind in Frankreich, grob gesprochen, die als echt französisch wahrgenommenen Namen ganz oben auf der Notenliste, und ganz unten finden sich vor allem die offensichtlich nicht französischen, vornehmlich arabischen und auch englischen Namen. Die Grafik dazu (bei Coulmont selbst) ist übrigens auch für Nichtfranzösischleser verständlich: X-Achse sortiert nach Noten (je höher, desto besser), y-Achse nach Anzahl der Vertreter in seiner Stichprobe (350 000).

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