Intersektionelle/ feministische Kommentarmoderation

Neue Regel! Neue Regel! CALVINBALL! vom 10. 12. 2011:
Dieser Post ist jetzt gestickyt, das heißt, er bleibt hier auf der Startseite ganz vorn, auch wenn ich in der Zwischenzeit andere Artikel schreibe. Und, ich habe die Überschrift geändert, um sie mehr dem Thema anzupassen, um das es mir hauptsächlich geht.

Nämlich, Folgendes: Diesen Post hier lesen momentan viele Leute, aber niemand nur ein oder zwei (ach vergesst das – 14. 12.) kommentiert, was … normal ist, aber schade. Ich könnte jetzt daraus schließen, dass ALLE MICH HASSEN und den Inhalt ablehnen und keine Lust auf das Thema haben. Was nicht nur offensichtlich Humbug ist, sondern vor allem ein unglaublich unproduktiver Ansatz.

Ich will diese Diskussion führen, weil ich einen (feministischen oder sonstwie) Raum haben will, in dem die „Feminist of Color“s unter uns gern mitreden wollen, und nicht vor dem Rassismus weißer Feminist*innen den Rückzug antreten, wie es gerade der Fall ist*:
Gelenkt durch Moderator*innen, die darauf bestehen, dem „Bildungsauftrag“ eines (feministischen?) Blogs den Vorrang zu geben vor dem Schutz der Leser*innen und Teilnehmer*innen der Diskussion vor rassistischen/ cissexistischen/etc. Inhalten und Diskussionsteilnehmenden. Ich habe versprochen zu versuchen, diesen Mist (nicht nur) im weißen Feminismus in den Griff zu bekommen, und ich bleibe dabei. NATÜRLICH ist dieses Thema nicht auf die Mädchenmannschaft beschränkt, NATÜRLICH ist das noch viel ärger der Fall in jedem x-beliebigen anderen Mainstream-Medium. Aber ich wende mich hier an Menschen, mit denen ich konkret zu tun habe, in einem Medium, was in meinem konkreten politischen Umfeld eine relative Machtposition innehat, der größte deutsche feministische Blog, Dreh- und Angelpunkt des deutschen (Online-)Feminismus. Deshalb.

Und wenn nicht, steht nun hier meine Position, warum ich im wichtigsten deutschen feministischen Blog bisher kaum, nun garnicht mehr kommentiere – ausführlich erklärt, was hoffentlich wenigstens eine Spur unbequemer ist für das rosa Alltagsgeschäft als die übliche Wahl mit den Füßen, und im Anschluss die verlogene Frage nach „Wie kriegen wir es nur hin, mehr Women of Color/trans*/queere/behinderte/etc. Frauen* zu erreichen?“

Nachtrag 10. 12.: Ich wurde (zu Recht) darauf hingewiesen, dass dies ein wenig so klänge, als würde es mir vor allem um Rassismus gehen. Ich habe ein Beispiel hervorgehoben, das besonders deutlich war, neben den vielen anderen, die in der Folge noch vorkommen. Tatsächlich geht es mir um einen intersektionellen Ansatz, der alle Arten von gesellschaftlichen Diskriminierungen berücksichtigt – Klassismus, Marginalisierung von Sexarbeiter*innen, Monosexismus, … Mir wurde in dieser Diskussion allen Ernstes vorgeworfen, „akademisch“ zu argumentieren, „theoretisch“. Dieses Argument ist wirklich der letzte Dreck.
MEIN LEBEN ALS BEHINDERTE BISEXUELLE GENDERQUEERE AKTIVIST*IN IST KEIN LUSTIGES THEORIESPIELCHEN FÜR MICH.
Genausowenig ist es das für alle anderen mehrfach diskriminierten Menschen.
Ich habe NICHT EIN EINZIGES Uniseminar zu diesem Thema besucht, noch habe ich je Politik, Soziologie, Gender/Postcolonial Studies, Philosophie oder sonstwas akademisch abgesegnetes in der Richtung studiert. Meine Lehrer_innen haben Namen wie ide_cyan oder Latoya, Emily Emily Emily oder Renee Martin, und manche/viele davon haben NIE STUDIERT. Dass es ein Privileg ist, dass ich ihnen zuhören konnte, und dass mich das weitergebracht hat? Natürlich! ABER DAS IST NICHT DER PUNKT HIER. Ich BRAUCHE eine intersektionelle Bewegung FÜR MICH genauso wie andere, das ist kein weirder Theorieshit. Und wenn das nicht der deutsche Privilegienfeminismus sein kann? bitte. Keine Träne hinterher.

MY FEMINISM WILL BE INTERSECTIONAL OR IT WILL BE BULLSHIT!

Vermutlich Letzteres. Aber so ist das.

Ende der Nachträge.

(Abbildung: Anfang eines nicht veröffentlichten Kommentars auf der Mädchenmannschaft, Text wie im folgenden Zitat)

kiturak sagt:
Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.
19. Dezember 2010 um 14:51

@ Moderation: Ehrlich gesagt, halte ich das hier für eine Grundsatzfrage. Seid Ihr ein feministischer Blog, und als solche werden Leute, die Feminismus per se doof finden, hier laut Netiquette nicht veröffentlicht – aber in Bezug auf sonstige Arten von Diskriminierung (sprich, hier antimuslimischer Rassismus) gelten entsprechende Positionierungen als legitime Diskussionsgrundlage?

Dieser Kommentar stammt aus einer Diskussion, die auf der Mädchenmannschaft unter einem Artikel von Kübra Gümüsay vor ziemlich genau einem Jahr stattgefunden hat. Der von mir darin erwähnte überdurchschnittlich rassistische Kommentar von „Micko“ wurde gelöscht, und mit ihm alle Kommentare, die sich (unter anderem) auf ihn bezogen hatten – darunter auch meiner: Das halbwegs übliche (und von Skud auf Geek Feminism kritisierte) Don’t Feed The Trolls-Verfahren (note to self: steckt bei mir auch noch irgendwo. kommt noch raus).
Die für mich ETA: auch damals schon mit ausschlaggebenden Kommentare aber stehen nach wie vor veröffentlicht im thread (nachzulesen: Kübra: Warum ich gern die dicke Anna wär – Triggerwarnung: Rassismus, für den gesamten Kommentarthread), beginnend mit den ersten beiden, und sich fortsetzend durch den thread.

Ich schrieb damals:

***

kiturak sagt:
Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.
19. Dezember 2010 um 14:51

@ Moderation: Ehrlich gesagt, halte ich das hier für eine Grundsatzfrage. Seid Ihr ein feministischer Blog, und als solche werden Leute, die Feminismus per se doof finden, hier laut Netiquette nicht veröffentlicht – aber in Bezug auf sonstige Arten von Diskriminierung (sprich, hier antimuslimischer Rassismus) gelten entsprechende Positionierungen als legitime Diskussionsgrundlage?

Ich bin schon früher in entsprechenden Diskussionen an die Decke gegangen, und versuche das gerade zu vermeiden – nicht, weil ich es für unangebracht halte, sondern weil ich mich frage, wie sinnvoll ich als antirassistische Ally bin, wenn ich Leuten nur noch vor die Füße kotze, statt versuchen, ihre Vorurteile auszuräumen. Aber es ist doch die Frage, was wir überhaupt leisten *können* – und bei Kommentaren wie die von Micko frage ich mich ernsthaft, wie es kommt, dass das hier überhaupt veröffentlicht wird.

Don’t feed the Trolls, schön und gut. Aber als Teilnehmerin an einer Diskussion weiß ich, wenn ich einer diskriminierenden Position nicht widerspreche, hat das den Effekt einer Zustimmung. Wenn Ihr nun jeden Menschen veröffentlicht, der in seinem ersten, ausführlichen whitesplainenden Beitrag ernsthaft zur Krönung einen Godwin hinlegt, ist es irgendwann schlicht nicht mehr leistbar, das fürs mitlesende Publikum zu entkräften und trotzdem noch irgendwie beim Thema zu bleiben. Das heißt, der thread wird endgültig zum rassistischen Raum (wenn er es nicht schon lange vorher war). Aus unter anderem diesem Grund kommentiere ich hier und anderswo oft überhaupt nicht erst.

Ich würde gern wissen, wie es den Muslimas, den Women of Color, den türkischen Deutschen, den sonstwie von Rassismus betroffenen Menschen geht, die das hier lesen, oder auch einfach, wie es Kübra damit geht. Ich bin keine Moderatorin, und ich fühle mich überfordert. Ich halte einen guten Teil der Reaktionen auf Kübras Artikel für intolerant, desinteressiert und eine Zumutung, nicht nur für von (antimuslimischem) Rassismus betroffene Menschen, sondern auch für alle anderen, die hier mit freudigem, gespanntem, ernsthaften Interesse mitlesen, und ich würde gern wissen, wohin sich das hier entwickeln soll.

Vielleicht ist das eine wichtige Diskussion, die gut ist, in der Mädchenmannschaft, oder im (Weißen) Feminismus, zu führen. Vielleicht raube ich hier nur weiter Platz und lenke vom Thema ab, und in diesem Fall tut es mir leid.

Fürs Protokoll, ich hatte es neulich schon anderswo geschrieben: Kübra hat so recht, fand ich. Lachen war in meiner Erfahrung schon unglaublich effektiv, wichtig und gut, schon für den eigenen Seelenfrieden, aber auch – wenn’s der richtige Witz oder Spruch ist – um auf einen rassistischen Spruch oder sexistischen Witz zu kontern und das Machtverhältnis in dem jeweiligen Moment umzudrehen. Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, oder dass es hier darum ging, diese Strategie IMMER IN JEDER SITUATION ALLEN von Diskriminierung betroffenen Menschen aufzudrücken.

***

Soweit mein Kommentar vor einem Jahr. Durch eine ulkige technische Eigenheit wird er für mich in diesem thread nach wie vor genau in dieser Form angezeigt – auf Freischaltung wartend.

Ich dachte, ich schalte ihn jetzt hier selbst frei.

Der Anlass ist, wie viele vermutlich mitbekommen haben, Folgender:

Stephanie Mayfield hat auf Feministische Generationen etwas veröffentlicht, das sie „Rant: Die Mädchenmannschaft“ nennt und ich eine ruhige, sachliche, interessierte, wenn auch verärgerte und sehr kritische Untersuchung der Rolle, die eine mediale Plattform, und deren Transparenz, für eine politische Bewegung hat.

Weil sie damit ausdrücklich eine Diskussion gesucht hat, und selbst schreibt:

Lasst uns mit und über die Mädchenmannschaft reden. Das hier ist nicht mal ansatzweise abschließend.

habe ich daraufhin meinen eigenen Beitrag hinzugefügt (zunächst auf Facebook, und noch formloser, dann unter ihrem Artikel, der Vollständigkeit halber), der sich unter anderem auf die Kommentarmoderation der Mädchenmannschaft bezieht.
Dieses Thema hat dort inzwischen fast die gesamte Diskussion vereinnahmt, und das haben Stephanies eigene Themen beileibe nicht verdient.

Ich möchte also hier denen, die es interessiert, diesen Raum zur Verfügung stellen, um hier darüber zu diskutieren, und es Stephanie damit ermöglichen, das Thema nach Herzenslust aus ihrem eigenen thread herauszuhalten, damit ihre eigenen Themen die VERDIENTE AUFMERKSAMKEIT bekommen können.


Mit einer ENTSCHEIDENDEN Einschränkung:
Ich bin, um es klar zu sagen, und wie es auch vermutlich aus dem Kommentarthread bei Stephanie durchscheint, nicht nur äußerst negativ gegenüber der aktuellen Praxis der Mädchenmannschaft eingestellt, sondern auch noch fix und fertig von dieser Sache in Kombination mit Depressionen. Ich kündige also hier selbst schon mal an, dass nicht nur meine üblichen Kommentarrichtlinien natürlich nach wie vor gelten, sondern ich hier auch explizit vor allem denen einen Raum geben will, die wie ich auch das Gefühl haben, dass uns die Kommentarrichtlinien des größten feministischen Blogs als Feminist*innen und sonstwie irgendwie im Feminismus engagierte Frauen/von Sexismus negativ betroffene Menschen/sonstwie Anti-*ismus-Aktivist_innen VERDAMMT NOCHMAL WAS ANGEHEN, und dass da was scheiße läuft (weitere Beispiele von delilah und mir/Stephanie Mayfield – danke fürs Formatieren) – im Gegensatz zu allen bisherigen Äußerungen der Mädchenmannschafts-Autor*innen, und auch einer Reihe anderer Leute. Ja, das heißt, dass ich im Zweifelsfall keine Lust habe auf Kommentare der Gegenseite, vor allem, wenn sie so aussehen wie in Stephanies thread bisher. Pech, Leute. Bisher habt Ihr uns den Mund verboten auf Eurem Podium.

Ich möchte explizit und besonders alle diejenigen ansprechen, die von Mehrfachdiskriminierungen betroffen sind, und einen intersektionellen, Nicht-Nur-Weiße-Reiche-NichtBehinderte-Hetera-Wasauchimmer-Frauen-Feminismus wollen, und/oder verdammt nochmal brauchen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch nochmal darauf hinweisen, dass ich es gerne wissen möchte, wenn ich gerade irgendwie diskriminierenden Mist verbocke.

Ich würde dem gern die links voranstellen, die auch bei Stephanie inzwischen im Artikel gelandet sind, und von denen zwei kürzlich sehr viel von dem geschrieben haben, was ich denke:
High on Clichés: Deutsche feministische Blogs
stop!talking: Seriously: Stop Talking

Noah Sow verlinkte zu Stephanies Mädchenmannschafts-Post den folgenden Artikel, der das Intersektionalitäts-Thema nochmal gut klar macht: Radically Queer zu White Feminists: It’s Time to Put Up Or Shut Up on Race

Das heißt nicht, dass irgendeine der Autor*innen mit meiner Position in dieser aktuellen Diskussion übereinstimmen, und ich möchte das auf keinen Fall so verstanden wissen.

Und, ich werde das nach und nach vielleicht noch irgendwie sinnvoller gestalten/ nach Belieben Calvinball-Regeln neu erfinden. DEAL.

*(Nachtrag 10. 12. 2011: Und weil es offensichtlich sonst immer noch niemand bereit ist zu lesen, hier noch der Kommentar von „Feminist of Color“ im Zitat:

Feminist of Color sagt:
1. Januar 2011 um 17:47

Kübra,

thx. Danke, deine Artikel tun so gut. Sie sind der Balsam für die von rassistischen Erlebnissen offenen Wunden. Die Wunden, die dazu führen, dass man sich in einem ungeschützten Raum nicht offen zeigt; die dazu führen, Widersprüche mit sich selbst auszufechten und sie nur im engsten Raum offen zu legen – und auch nur dort versucht, Diskriminierungserfahrungen mit Humor anzugehen. Danke für deine Offenheit!

Das nächste Mal werde ich auch nur deinen Artikel lesen. Sobald ich nämlich den Kommentaren darunter Beachtung schenke, reißen die Wunden trotz deines Balsams weiter auf. Und zeigen mir wieder, warum ich so humorlos, emotional und nach außen verkrampft wirkend reagiere, reagieren möchte bzw. nur so reagieren kann, wenn weiß-Deutsche wie Katharina & Co mitsprechen und ihre Meinung und Definitionen durchsetzen wollen.

Danke für deine Artikel und deine geniale Art, genau die Dinge aufzuzeigen, die mir so komplex und kompliziert im Kopf rumgehen.

… und DAVON spreche ich. Unsere Kommentarmoderation entscheidet, mit wem wir diskutieren. Ja, es IST ein entweder/oder.

Die Mädchenmannschaft entscheidet sich bisher für Katharina & Co.)

26 Kommentare

  1. Pingback: Rant: Die Mädchenmannschaft « Feministische Generationen
  2. Zweisatz

    Ich schreibe aus einer mehrheitlich privilegierten Position heraus, deswegen fasse ich mich kurz: wenn Blogbetreiber_innen für einen breiteren Diskurs/um Leute zu Beginn und im späteren Verlauf ihrer feministischen Reise und darüber hinaus abzuholen sehr viele Stimmen zu Wort kommen lassen, ist das ihre Entscheidung.

    Was ich nicht verstehe, ist, wie man als feministisches Medium nicht eindeutig gegen [antimuslimischen Rassismus – „Islamophobie“ ersetzt, kiturak], Rassismus, Cis-Sexismus etc. Stellung beziehen kann. Und damit meine ich natürlich in den Kommentaren, in den Artikeln geschieht das ja mehrheitlich. Wenn man entsprechende -istische Kommentare einfach zulässt, ohne unmittelbar klarzustellen, dass die Ansicht wegen xyz problematisch ist, hilft man gar niemandem weiter, außer der aktuellen gesellschaftlichen Situation, die doch eigentlich alle verbessern wollten.
    Genauso sehe ich es als eine der zentralsten Aufgaben, auf Hinweise, dass man seinen hehren Zielen antisexistisch, -rassistisch, -klassistisch, etc. zu sein nicht entsprochen hat, souverän zu reagieren. Sich die Hinweise also durch den Kopf gehen lassen, wo es nötig ist eine Entschuldigung auszusprechen und unmittelbare Maßnahmen zu ergreifen (Anmerkung in den Artikel einfügen, entsprechende Kommentare löschen oder eindeutig als -istisch kennzeichnen, …).
    Ohne eine klare Distanzierung oder Wiedergutmachung von -istischen Inhalten bringt der Wunsch viele Menschen mit den eigenen Ideen zu erreichen überhaupt nichts. Dann erreicht sie nur der übliche Scheiß, für den sie sich auch eine x-beliebige Zeitung kaufen oder prinzipiell mal auf die Straße gehen könnten.

    • kiturak

      Word.

      Es geht ja um verschiedene Dinge:

      1. wie VIEL *ismus? Also, der Lernfaktor. Je mehr *ismus abbilden (= je mehr Menschen in Mainstreamnähe „abholen“), umso größer ist der Aufwand für alle Beteiligten, Kommentator_innen wie Moderator_innen, das noch unter Kontrolle zu halten. Und je mehr, desto nötiger die Triggerwarnung gleich im Post, bzw. Transparenz schon im Selbstverständnis. Also, „101-Blog“, oder wasweißich, „Lernblog“, irgendwo GROSS hinschreiben und mit genau diesen Konsequenzen erläutern, damit die Leute wenigstens wissen, was sie erwartet. Sich NICHT als feministischer/machtkritischer Raum/Schutzraum verstehen, zumindest nicht für den Kommentarteil. Ehrlich und offen damit umgehen. Und natürlich bereit sein, diesen Aufwand als Moderator*innen selbst zu leisten, und sich nicht auf Kommentator*innen verlassen, die im Zweifelsfall mal eben eine halbe Stunde lang zitternd irgendwo sitzen müssen, oder eh schon lang nicht mehr mitlesen, aus Selbstschutz. Sprich, keine unbezahlte Erziehungsarbeit für das eigene Projekt von Kommentator_innen *erwarten*. Wenn ich sowas grad freiwillig bereit bin zu liefern, ok.
      … Dazu ließe sich noch viel diskutieren, die Frage, wie sich der Spagat realisieren lässt. Ich bin überzeugt, das *haben* sie bei der MM auch schon getan, ich *wüsste* das auch gern, es würde mich einfach interessieren, und wir könnten alle voneinandern lernen. Aber das Ergebnis dort ist bisher noch: Reicht nicht.

      2. WELCHER *ismus? Und das ist das Problem. Wenn für den „Nur“-Sexismus strenge Grenzen gezogen werden, hatr eingerichtet genutzt/beworben [ed. 14. 12., siehe unten], etc., Wörter wie „Privilegienpimmel“ beliebig z.B. über twitter verwendet – aber andere *ismen toleriert werden – z.B. Verlinken von Beiträgen wie den von Luise F. Pusch, der sich gegen den Gender_Gap ausspricht, oder den zu den sexarbeiter_innenfeindlichen Femen (Werden auch Masku-Beiträge verlinkt, die sich gegen gegenderte Schreibweisen richten?): Das heißt, wenn MEHR toleriert/supportet wird, was andere *ismen angeht? Dann gibt es ein Problem, denn dann haben wir eben keinen intersektionellen Feminismus, sondern einen, der cis-Frauen und/oder nicht-Sexarbeiter*innen privilegiert. Intersektionalitäts-Fail. Und das Gleiche gilt für die Kommentare. Einen im Sexismus vergleichbaren Kommentar zu gleich dem ersten in dem Dicke-Anna-thread habe ich noch nicht gesehen. Das heißt, um diesen unterschiedlichen Maßstab geht es mir. Auch da ist unglaublich viel zu diskutieren, auch da *wurde* sicher schon diskutiert, auch da wäre das interessant für uns alle (= Vorbildfunktion, Einfluss, politische Bewegung und all das), und auch da ist das Ergebnis armselig.

      • kiturak

        Flavia Dzodan:

        BECAUSE YOU CANNOT CLAIM TO WANT TO PROVIDE SAFETY FOR WOMEN WHILE YOU ARE LETTING *SOME* WOMEN BE RACIALLY ATTACKED. BECAUSE IF YOU DO THAT, YOU ARE A FUCKING HYPOCRITE AND YOU SHOULD JUST GO AHEAD AND SAY IT “WE WANT TO PROVIDE SAFETY JUST FOR *SOME OF US* WHILE THE REST, THE BROWN, BATTERED BODIES OF BLACK WOMEN ARE CALLED NAMES”. Because that’s a more accurate description of what transpired. Can you tell that I am still screaming as I type this? Can you tell I am angry? And if you are not angry with me right now, then I do not want to be part of your feminism. Then I do not want any fucking sisterhood with you or whatever nonsense we can come up to excuse our movement’s failures. If you are not angry at this, like I am, then I know we are not part of the same team.

      • Zweisatz

        Oh ja, da hast du vollkommen Recht. Wenn nicht das gleiche Maß bei anderen -ismen angelegt wird wie bei Sexismus, dann hat man halt keine intersektionelle Seite, aber ich dachte, dass das eigentlich schon Ziel der MM wäre.

        Und eine interessante Frage, die sich mir aufgrund des ersten Teils deinen Kommentars stellt, ist, wie viele Leute sich real fern halten, weil ihnen die Kommentare auf der MM zu anstrengend sind. (Die ist nicht exactly neu, aber doch für ein Medium interessant, dass viele Menschen erreichen möchte.)
        Denn wenn -istische Kommentare, die durchgelassen werden, andernfalls geneigte Leser_innen abschrecken, dann ist doch ein Ziel der MM verfehlt: nämlich eben den gewünschten weiten Kreis an Interessierten anzusprechen.

        • kiturak

          huhu laufmoos, und danke für die Ergänzung.

          Es ging mir tatsächlich nicht darum, wer genau die ein oder andere Kontermaßnahme gegen miese sexistische Typen entwickelt hat, aber Du hast recht, das war irreführend formuliert. Mir geht es darum, dass das als Gegenstrategie genutzt wird.

          Anderes Beispiel: Natürlich hat irgendwann irgendeine Person innerhalb der großen, weiten, US-Blogosphere den Begriff „mansplaining“ eingeführt, der die Grundlage gebildet hat für cissplaining, whitesplaining, … aber der springende Punkt ist, er stammt aus einem feministischen Zusammenhang, und ist innerhalb einiger Jahre in diesem Zusammenhang normal geworden, so sehr, dass er im deutschsprachigen Feminismus jetzt auch schon teilweise verwendet wird. Und das ist gut so. Die Mädchenmannschaft bezieht sich durchwegs positiv auf hatr.org, und ich stimme ihnen vollkommen zu darin.

          Mir ging es darum, welche Strategien gegen welche Art von *Ismus verwendet werden, und wie sich diese Unterschiede auf einzelne, von „Nicht-Nur-Sexismus“ (ETA: Betroffene) auswirken. Wie eine Atmosphäre entsteht* , in der es ok und erwünscht ist, gegen Sexismus aufzustehen, zu rotzen und wütend zu sein – aber gegen Rassismus & Co. möge doch bitte der Tonfall eines Kommentars nicht die Rassist_innen verschrecken, oder „schüchterne Menschen, die mitlesen“.

          *(eine Atmosphäre, die sich beileibe nicht auf die Mädchenmannschaft beschränkt, das ist nach wie vor nicht mein Punkt. Aber so, wie accalmie keine wirkliche Lust hat auf das Spielchen, die Pirat_innen von der Sp*ckeria trennscharf zu unterscheiden, sehe ich es nicht ein, die öffentlichen twitter-accounts/Blogs von Menschen isoliert von ihrer Funktion als Autorität der Mädchenmannschaft zu sehen, oder das Gendercamp von der Mädchenmannschaft. Was das betrifft.)

      • laufmoos

        Hey kiturak!

        Danke für die Antwort.

        Es war nicht ganz das, was ich meinte. Mir ging es hier tatsächlich gar nicht so sehr darum, wer genau hatr entwickelt hat, sondern tatsächlich festzuhalten, dass hatr was anderes ist als die Mädchenmannschaft. Diesen Punkt finde ich nämlich tatsächlich wichtig. Da wir da offensichtlich unterschiedlicher Meinung sind, schreib ich noch mal etwas mehr dazu, warum.

        snip: Ich geh dabei jetzt hauptsächlich auf Deinen letzten Absatz ein, den mit dem *. Wenn das jetzt am Ziel des Ausgangspostings vorbeigeht, dann können wir das sehr gerne auch per Mail weiter diskutieren, das würde ich Dir überlassen.🙂 /snip

        Ich persönlich (und das ist wichtig) lege sehr viel Wert darauf, das, was ich kritisiere, eben doch trennscharf zu halten. Denn ich persönlich möchte mir nicht erlauben, verschiedene Gruppen in einen Topf zu werfen, wenn sich eigentlich meine Kritik auf eine bestimmte Gruppe richtet. (Dass ich das nicht immer schaffe, ist dann wohl leider die Realität, aber ich habe den Anspruch.)
        Ich denke, wenn ich die Pirat_innen nicht von den Post-Privacy-Ableist_innen unterscheiden kann, dann hab ich kein Recht auf eine dezidierte Kritik. Sicherlich auf eine Hau-drauf-Kritik, das würde ich mir nicht verbieten und das finde ich auch absolut legitim aus der marginalisierten Position heraus. Aber ich persönlich fände es komisch, mit einem differenzierten Kritikanspruch mich undifferenziert an verschiedene Gruppen zu wenden. (Ich weiß, dass Du das nicht gemacht hast, das hier ist die Erklärung zu meiner Kritik an Deinem *-Zusatz.)
        (Also undifferenziert/differenziert, da meine ich folgendes, am Beispiel meines heutigen Alltags ;):
        Undifferenziert: Ich bin einfach total genervt und müde von dem heteronormativen Geturtel/Geknutsche und Ge-umarme des heterosexuellen Pärchens da gegenüber von mir im Gemeinschaftsraum. Und finde mal eben öffentlich sich gebärdende Heteropärchen wirklich ätzend.
        Differenziert: Mir liegt was an diesem Raum und ich möchte mit den Nutzer_innen in einen Austausch gehen über die Nutzungsbedingungen und das, was ich in diesem Raum sehen möchte und was vielleicht nicht die ganze Zeit. Oder wozu ich mir zumindest etwas Reflexionsvermögen wünsche.)

        Und gerade bei den anti-istischen Projekten finde ich eine scharfe Trennung sehr wichtig. Feminismus wird ja häufig wahrgenommen als „Alice-Schwarzer-Feminismus“, oder vielleicht in Bezug auf diese Diskussion Netzfeminismus als „Mädchenmannschaft-Feminismus“, da finde ich es sehr wichtig, die tatsächliche Fülle an verschiedenen Projekten nicht in einen Topf zu werfen, sondern in ihrer Unterschiedlichkeit stehen zu lassen. Die Mädchenmannschaft ist nicht hatr, hatr ist nicht das GenderCamp und das GenderCamp ist nicht die Mädchenmannschaft.

        Da fände ich es dann wirklich produktiver, die Atmosphären getrennt voneinander zu diskutieren, weil die Projekte alle verschieden sind und unterschiedliche Selbstverständnisse haben etc.
        Das ist im Übrigen auch ein klares *Für* das Diskutieren der verschiedenen Projekte.

        Uh! Langer Kommentar ist lang!

        • kiturak

          @laufmoos: Langer Kommentar ist willkommen!

          zur Trennschärfe:
          Wenn ich im Satz oben

          2. WELCHER *ismus? Und das ist das Problem. Wenn für den „Nur“-Sexismus strenge Grenzen gezogen werden, hatr eingerichtet, etc., Wörter wie „Privilegienpimmel“ beliebig z.B. über twitter verwendet

          „hatr wiederholt beworben/ selbst genutzt“ ersetze, würde er schlicht stimmen, und das meinte ich.

          Mittlerweile sind über 40 Blogs bei Hatr angemeldet, auch Mädchenmannschaft hat sich dem Projekt angeschlossen.

          Mädchenmannschaft: Trolle als feministische Währung

          Ich werde keine Trennung behaupten, wo keine ist – aber natürlich sind die zwei Projekte nicht die gleichen, sondern überschneiden sich nur an dieser Stelle. Es ginge ja auch im Übrigen – auch das war bei mir völlig falsch ausgedrückt – eher um eine Schieflage bei der Nutzung von hatr zwischen sexistischen/anders *istischen Kommentare, denn natürlich ist hatr nicht nur für Sexismus da.

          Ich nehme ansonsten sehr sehr gern das E-Mail-Diskussionsangebot an. Ich bin hier nochmal ausführlicher drauf eingegangen, da gerade hatr natürlich für das Thema durchaus sehr relevant ist – zumal ich Passagen aus dem Mädchenmannschafts-Artikel nur Satz für Satz unterschreiben kann,

          [Katrin Ganz/hatr:]
          Unsere Erfahrungen mit der Kommentarmoderation und die Diskussionen in der Szene haben uns zu dem Schluss kommen lassen, dass es sich um eine Strategie handelt, uns auf die Nerven zu gehen. Ich habe wirklich keine Lust, mich jahrelang jeden Tag wieder vorgeblich ergebnisoffen über Fragen unterhalten zu müssen, die für mich schon lange geklärt sind.

          – was auch an eine dritte Frage anschließt, die ich noch nicht explizit gestellt hatte:

          Wenn ich einen „Bildungsauftrag“ habe:

          AN WEN richtet sich der?

          – was sind sinnvolle Strategien, um dem nachzukommen?

          Denn: wenn z.B. nach einer Moderationsaufforderung wieder und wieder Kommentare veröffentlicht werden, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, beinhaltet das nicht nur gewaltvolle *istische Erlebnisse für die Lesenden/Mitdiskutierenden, die verschlimmert werden durch ein Gefühl der Machtlosigkeit (empfunden als „Nicht mal die Moderation kann was dagegen tun! Es geht immer weiter und hört nie auf!“), sondern, behaupte ich, lehrt die Kommentierenden, dass es keinerlei Folgen gibt, wenn sie von *ismus betroffene Menschen und ihre Grenzen nicht respektieren.

          Sprich, auf beispielsweise den Fulda-Lampenvorfall umgeschrieben: Wie sollen weiße Menschen lernen, People of Colour zu respektieren, wenn sie ungestraft rassistisch und übergriffig sein dürfen, und als „Belohnung“ dafür noch Sachen lieb erklärt bekommen?
          Wie glaubwürdig sind wir, wenn wir das Verhalten von Noah Sow als richtig verteidigen – wie vermitteln wir diese Haltung den Leser_innen – wenn wir gleichzeitig selbst genau das Gegenteil davon tun?

          Das ist im Übrigen auch ein klares *Für* das Diskutieren der verschiedenen Projekte.

          ❤ danke.

  3. raupe

    hallo, ich hatte diesen Kommentar ursprünglich beim generationendialog gepostet und er bezieht sich auf die dort stehenden Antworten auf meinen 1. Beitrag. Ich hoffe, das ist ok, falls nicht, weißt du ja, wo der lösch-Button ist.

    @stephanie mayfeld
    @kiturak

    Danke für die Mühe und die Links. Ich verstehe, was ihr meint und finde
    die Beispiele auch kritikwürdig.

    Ich finde, dass sich die MM von der Mainstreamkommentarpolitik (zB auf
    Newsseiten, etc) abheben muss*, dies auch tut, an manchen Stellen nicht
    radikal / entschlossen genug.
    Ich würde manchmal gern statt“Es wäre schön, wenn ihr keine rassistische
    Ödnis produziert“ ein „Der Kommentar wurde aufgrund von rassistischen
    Inhalten gelöscht“ lesen, aber ich erkenne es an, dass die
    MM-Redakteur_innen versuchen, die Balance zwischen Erklärbärismus (nicht
    jede_r schnallt sofort, wieso nun der eine Kommentar rassistisch ist und
    der andere nicht. Ich finde nicht, dass die rassistische Kommentatorin
    eine erklärbärische Information verdient, sehr wohl jedoch die anderen,
    unwissenden Leser_innen der MM. Das zumindest ist die Intention, die ich
    hier herauslese und überdies in das Mod-Verhalten der Redakteur_innen
    hineininterpretiere. Ich finde *ismen in Artikeln nicht akzeptabel, und
    hier ist die Redaktion auch für Kritik sehr aufgeschlossen (wenn ich
    nichts übersehen habe, bezieht ihr euch auch nicht auf die Artikel,
    oder?). Dass das für die Kommentare und Diskussionen nicht immer gilt,
    finde ich als temporäre Lösung akzeptabel, siehe v.a. Lantzschis
    Ausführungen zu ehrenamtlicher Arbeit, etc.

    Für mich ist die MM eine Plattform, auf der es regelmäßig gehaltvollen
    Austausch im Kommentarbereich gibt und viele Kommentator_innen gehören für
    mich gefühlt in die MM mit rein, auch wenn sie dort gar nicht als
    Autor_innen auftreten, sehr wohl jedoch wertvolle Beiträge durch ihre
    Kommentare liefern. Dieser Raum ist nicht perfekt, aber er ist wie er ist
    eine Leistung der MM-Redaktion und ihrer Moderation. Über diesen Raum, den
    ich nutzen darf, bin ich froh und ich möchte ihn erweitern und verbessern
    (sodass er irgendwann vielleicht wirklich safe und nicht nur safer ist).

    Die Konsequenz daraus ist für mich zuerst mal, dass ich mich in Zukunft
    entschlossen(er) und häufig(er) in die Kommentarentgleisungen einmischen
    werde, obwohl das nicht mein Beruf ist (aber weil meine Privilegien mich
    dazu befähigen, und mein Eindruck ist, dass das von Seiten der MM auch
    erwünscht ist. Bitte widersprechen, falls nicht!).

    Auf die restlichen Punkte kann ich aus Zeitgründen noch nicht eingehen,
    vielleicht kommt dazu in ein paar Tagen nochmal eine Antwort von mir.

    *Das Müssen, das ich hier formuliere, ist ein „müssen, weil ich sie sonst
    doof finde“, mehr kann es gar nicht sein.

    • kiturak

      Hallo raupe, danke für den netten Kommentar, und danke für das Engagement! Super auch, dass Du es hier schreibst, ich bin nämlich mit meinem Kram auch so gebunden, dass ich bei Stephanie momentan nichts mitbekommen hab‘.

      Ich hab‘ tatsächlich eine kleinere Antwort zu dem Aufwands-/Ehrenamts-Ding, krieg sie jetzt aber nicht fertig, und kündige auch schonmal an, dass ich bis morgen irgendwann auch nicht da bin! Das heißt wie immer auch: Eure Kommentare bleiben in der Moderation hängen, ganz unabhängig davon, ob ich Euch für ihren Inhalt hassen würde oder nicht😉 Ich hoffe, es ist eine Entschädigung, dass in der Zwischenzeit der schräge mansplainer, und all seine hypothetischen Kumpels, hier auch keinen Kram hinposten.

      Schönen Abend Euch.

    • kiturak

      So, hallo raupe, bitte entschuldige die Verzögerung, das ist bei mir diese Tage leider so.

      Zum Ehrenamts-Problem, das ja ClaraRosa schon perfekt als Aspekt von Klassismus in politischen Bewegungen festgemacht hat:

      1. Auf das „wir kriegen alle kein Geld dafür“-Argument habe ich im „5-weiße-Typen“-thread schonmal ansatzweise geantwortet, ab hier.
      – Es wird dabei gern übersehen, dass nicht nur die Kritiker_innen, sondern auch die gegebenenfalls Ausgeschlossenen im Zweifelsfall aus einer noch marginalisierteren Position kommen.

      „Ehrenamt“ macht nicht kritikimmun. Wenn Diskriminierung stattfindet, werde ich das kritisieren, und ich werde nicht den EFFEKT kleinreden, um die Gefühle der Menschen zu schonen, die das verursacht haben. Das Einzige, was sich dadurch ändert, sind die Möglichkeiten, die den Kritisierten zum „Bessermachen“ zur Verfügung stehen. Aber das ist gleich der nächste Punkt:

      2. Der „Weniger Diskriminierung bedeutet mehr Arbeit“-Mythos, der immer und immer wieder auftaucht. Das tauchte auch im thread bei Stephanie auf, und ich zitiere, um das zu diskutieren, hier einfach mal ein Beispiel aus einer der vielen für alle Seiten ermüdenden MM-Diskussionen

      Nadine sagt:
      1. April 2011 um 21:59

      @all

      Ein Diskussionsthread ist kein Forum und kein Chat. Hier sollen alle die Möglichkeit erhalten zu sprechen, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen und zwar: themenbezogen, sachlich und differenziert.

      Ich werde den Thread jetzt schließen, nachdem mein erster Hinweis, zum Thema zurückzukehren offenbar ignoriert wurde. Wir haben keine unbegrenzten Kapazitäten zur Moderation.

      Meine Antwort:

      Das ist das, wovon ich die ganze Zeit spreche, Leute.
      WIR ALS KOMMENTATOR_INNEN AUCH NICHT.
      Wenn Ihr allerdings 30 Sekunden Eurer begrenzten Kapazitäten für 30mal „LÖSCHEN“ klicken
      aufbringen könntet, wäre hier sowas wie eine Diskussion möglich, und Ihr hättet auch ein glücklicheres Leben.

      Sprich: Das Zeitproblem ist hier einfach hausgemacht. Niemand hat mich gezwungen, den rassistisch/sexistischen Profi-Masku-Troll hier gestern freizuschalten (sein Kommentar ist anscheinend irgendwo auf WGVDL nachzulesen, samt entsprechender Diskussion). Dadurch muss ich auch nicht darauf eingehen.

      3. Zu Deinem geplanten Mehr-Engagement in den Kommentaren:

      Ich freu mich. Wirklich. Für mich sieht die Sache so aus: Mit exakt der Einstellung, die Du für Dich beschreibst, und dem guten Vorsatz, hab ich vor vielleicht zwei Jahren (?) angefangen, bei der Mädchenmannschaft ab und zu zu lesen und zu kommentieren – am „Bildungsauftrag“, den die MM für sich sieht, zumindest soweit teilzunehmen, dass die fiesesten Intersectionality Fails ab und zu mal widerlegt werden. Ich hab‘, als Kübra dort angefangen zu schreiben, gezielt an den Kommentaren zu ihren Artikeln teilgenommen, weil es so ein trauriges Spektakel war, dieser beschissene Rassismus. Ich hab mich in den Job reingehängt, so weit ich konnte, ein Job, der in keiner Weise bezahlt ist, und den ich nur gemacht habe, weil ich fand, dass ich das nicht zulassen kann, dass die Rassist_innen diesen Raum behalten.
      Aber im Lauf der Zeit ist mir klar geworden, dass ich nicht nur viel Arbeit reinstecke und dafür weder Lohn noch fachliche Anerkennung noch Sympathie bekomme (was ok ist, denn ich mache den Job nicht für die Kekse, sondern für Die Sache ™) – sondern dass mich die Mädchenmannschafts-Moderator*innen aktiv daran hindern, diesen unbezahlten, ungeliebten Job irgendwie sinnvoll und für mich erträglich auszuführen. UND ICH STREIKE.
      Das heißt nicht, dass Du zum gleichen Schluss kommen musst, aber ich bin damit nicht die Einzige.

  4. kiturak

    @Zweisatz:

    Wenn nicht das gleiche Maß bei anderen -ismen angelegt wird wie bei Sexismus, dann hat man halt keine intersektionelle Seite, aber ich dachte, dass das eigentlich schon Ziel der MM wäre.

    Oh, an den guten Absichten zweifele ich kein Stück weit, sonst würde ich die Diskussion nicht versuchen zu führen (obwohl mich die aktuelle Reaktion auf die Kritik sehr wohl zum Zweifeln bringen könnte, aber das mal beiseite). Nur, dass Vorsatz nicht gleich Realität ist, wissen wir ja alle bestens. Ich habe aber auch das Gefühl, dass genau dieser Intersektionalitäts-Fail von der MM garnicht als solcher wahrgenommen wird, und sozusagen in dem generellen „Bildungsauftrag“s-Ding untergeht, also mein Punkt 1.) oben, wie VIEL Diskriminierung.

    Und eine interessante Frage, die sich mir aufgrund des ersten Teils deinen Kommentars stellt, ist, wie viele Leute sich real fern halten, weil ihnen die Kommentare auf der MM zu anstrengend sind. (Die ist nicht exactly neu, aber doch für ein Medium interessant, dass viele Menschen erreichen möchte.)
    Denn wenn -istische Kommentare, die durchgelassen werden, andernfalls geneigte Leser_innen abschrecken, dann ist doch ein Ziel der MM verfehlt: nämlich eben den gewünschten weiten Kreis an Interessierten anzusprechen.

    QUOTED FOR TRUTH. Und auch da wieder verschärft sich das Problem (exponential ^^), wenn es noch dazu ein Intersektionalitäts-Versagen gibt.

  5. zweisatz

    @ „An wen richtet sich der Bildungsauftrag?“

    Wie sollen weiße Menschen lernen, People of Colour zu respektieren, wenn sie ungestraft rassistisch und übergriffig sein dürfen, und als „Belohnung“ dafür noch Sachen lieb erklärt bekommen?

    This. Wenn Menschen nicht auf feministischen (und verwandten Themen verbundenen) Blogs dazu angehalten werden, ihre Privilegien mal ganz genau anzusehen, wo dann? Wenn ein feministischer „anti-rassistischer“ Blog solche Kommentare durchgehen lässt, dann ‚Können sie doch nicht so schlimm sein.‘ oder ‚Offensichtlich darf man ja doch in Frage stellen, dass etwas rassistisch ist, obwohl eine Person of Color es klipp und klar als rassistisch eingeordnet hat, denn hier darf man ja auch ‚rumdiskutieren. Da ist ja offensichtlich noch Interpretationsspielraum.‘ NEIN.
    Wenn man die Leser_innen schon so weit hat, dass sie glauben, man könne ihnen wichtige Botschaften vermitteln, denn sie kommen immer wieder zum eigenen Blog, dann sollte man diese grandiose Möglichkeit auch nutzen, um sie auch mal zu einem anderen Zweck an die Hand zu nehmen, als ihnen die Grundlagen des Feminismus beizubringen: um sie mit der Nase drauf zu stoßen, wobei sie Mist gebaut haben und woran sie arbeiten sollten.

    Und der andere wichtige Punkt: wie kann man es mit sich vereinbaren, auch wenn man ein 101-Blog betreiben sollte, dass man Menschen, die jeeeeeden Tag Scheiße erleben -denn wegen solcher Zustände sind wir ja offensichtlich alle zusammengekommen- genau diesen hasserfüllten oder uninformierten Aussagen wieder aussetzt? Wie kann man das auf menschlicher Ebene tun?
    Warum sollte sich eine Person, die schon genug getreten wird (mehr im übertragenen, manchmal auch im wörtlichen Sinne, fürchte ich) auch nur ein zweites Mal auf einem Blog blicken lassen, der ihre Verletzungen nicht für so wichtig hält, dass sie aktiv in den Kommentaren bekämpft werden sollten?

    • delilah

      Ich check eh nicht, was das soll mit diesem 101 = Scheißkommentare. 101 bedeutet für mich, Interessierten etwas nahezubringen, nicht sich mit Arschlöchern rumzustreiten. Mit jemandem, der kein Interesse hat, diskutiere ich nicht; auch nicht offline. Der soll einfach weggehen. Plastischer: Wenn mich einer anpackt, erklär ich ihm nicht, was daran verkehrt ist, sondern geb ihm aufs Maul oder so, wenn möglich. /lebenszeichen (allworkandnoplay, sorry)

  6. andrea doria

    Huhu Kiturak,

    Es passt nirgends hier so recht hin, glaub ich.
    Aber als ich mich bei der Mädchenmannschaft ein wenig über Ihre Sprachpolitik, konkret das „Bloggermädchen“ lustig machen wollte – zugegeben nicht rein konstruktiv, denn ich ärgere mich halt auch sehr darüber – wurde ich eben auch nicht freigeschaltet. Da ich prinzipiell keine echte Adresse angebe, hat mich natürlich auch keine eventuelle großangelegte und superfundierte erklärende Entschuldigung dafür erreicht und ich kann jetzt nur raten, daß ich aus verletzter Eitelkeit nicht veröffentlich wurde. Oder nee, ich weiß es einfach nicht.

    Aber vielleicht darf ich hier nen bisschen rummotzen? Schließlich war hier das Motto dereinst ja auch mal „Immer nur meckern“. Also mein nie veröffentlich-wordener Post, jawoll, krawallig isser! unter „Bloggermädchen 2012“ bei Mädchenmannschaft für Dich!

    ———————-
    Ach ja, die Nachwuchsförderung, wie nett. Andererseits: Es geht ja gar nicht um Nachwuchs, oder? Man wird schließlich nur nomminiert, wenn man schon soundsolang soundsogut und soundso verläßlich blogt, oder?

    Aber warum in aller Welt BloggerMÄDCHEN? Ok, Ihr habt Euch mal Mädchenmannschaft benannt, aber wärs nicht auch mal ganz schön aus der Kleinmädchenwelt hinauszugehen und auch mal ne Frau als Frau zu eheren, statt sie als „Mädchen“ kleinzumachen, trotz Ehrung?!

    Was passiert eigentlich nach der Wahl? Ich stell mir das so vor: Zur Mädchenehrung zeiht man was rosanes an und kriegt nen Krönchen. danach darf man den Titel Blogprinzesschen führen.

    Wie sehen das die Nominierten? Ich würd‘ mich bedanken, als „Mädchen“ bezeichnet zu werden….

    Ach ja und: Ja, ich habe schon tausend „Mädchendiskussionen“ gelesen und gehört. Von wegen Umwertung. *Kopfschüttel*
    ———————-

    Grüßli und Daumendrück für die BloggerIN des Jahres!

    • kiturak

      Jo, ich seh‘ das mit dem „Mädchen“ aus einer anderen Richtung. Die „Kleinmädchenwelt“ runterzumachen (so wie Du es auch tust, bitte nicht mehr machen, ok?) und „Mädchen“ als Schimpfwort zu sehen, ist auch meiner Ansicht nach durchaus etwas, wogegen frau sich sinnvoll einsetzen sollte – und das ist ja gerade die Argumentation der Mädchenmannschaft. Die Frage ist halt, wie das passieren soll.

      Was ich aber noch nie in all den Diskussionen gelesen habe, ist das Adultistische in der ganzen Sache: „Mädchen“ als Schimpfwort zu verwenden, ist ja nicht einfach nur sexistisch, sondern richtet sich gezielt gegen („weibliche“) Kinder. Ich find es für mich als Erwachsene mit entsprechenden Privilegien nicht ok, mir den „Mädchen“-Titel überzuziehen und so zu tun, als sei das meine Welt. Ist es nicht. Zusätzlich ist Ganze im Effekt Erasure, ein Unsichtbarmachen von wirklichen Mädchen im Netz und sonstwo.

      Was mich ansonsten stört, wie ich bei der Mädchenmannschaft auch schon geschrieben hatte (im Vorschlagsthread für das „Bloggermädchen“, sorry, bin grad zu geschafft, den Link rauszusuchen) ist das im Grunde genommen Cissexistische daran (hat jemand grad ein sinnvolles Wort für „binaryist“? Ich such seit Tagen danach) – also, genderqueere Leute oder andere sich nicht als „weiblich“ definierende Blogger_innen haben halt grad mal Pech gehabt. Grad in einer feministischen Umgebung (wo ja hart darum gekämpft wurde, dass die rein männliche Sprache in Frage gestellt wird, in der Frauen angeblich „immer mitgemeint“ sind) ist es doch ziemlich bitter, dann als genderqueerer (etc.) Mensch wiederum unter einem „Mädchen“-Titel „mitgemeint“ zu werden.

      An alle:
      Wenn ansonsten noch mehr Leute zu dem „Mädchen“/“Bloggermädchen“-Ding was zu sagen haben, gern. Ich find‘ das auch wichtig, und es gibt wirklich sonst meines Wissens keinen richtigen Ort, das öffentlich zu diskutieren. Postet Eure Kommentare hier oder gebt mir sonstwie Bescheid, damit ich weiß, dass Interesse besteht. Ich werd‘ aber vermutlich dann einen eigenen Thread für das Thema aufmachen und Euch anschließend bitten, Euren Kommentar dort zu posten, damit hier nicht komplett das eigentliche Thema untergeht.

  7. Pingback: Aus den Hinterzimmern (2) » takeover.beta

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