Über Penisse. Kleine Penisse.

Da blätter‘ ich auf bravo.de herum auf der Suche nach einer gängigen Definition von „lesbisch“ (heh.), und finde – Penisse:

„Der Mikropenis! Die wichtigsten Fakten!“

„Keine Angst“, die BRAVO hat sich nicht so weit verfremdet, dass das hier ein empowernder Artikel ist für Menschen mit Mikropenis oder generell eine Reihe zu Intersexualität. Das Wort „Intersexualität“ taucht nicht einmal auf.

Naaain, es geht „selbstverständlich“ um das exakte Gegenteil: Darum, für Leute mit größeren Penissen ein Konzept von „Normalität“ aufzubauen („Sechs Zentimeter sind genau so normal wie 18.“) und „Jungen“/“Männern“ die ANGST davor zu nehmen, dass sie es beim Hetero-Pipi-Mumu-„Sex“™ („Auch ein kurzer Penis kann in die Scheide eingeführt werden und bei einem Mädchen schöne Gefühle auslösen.“) nicht bringen könnten. Menschen mit einem Penis, der tatsächlich kleiner ist als die „Normalität“-by-BRAVO, werden komplett im Regen stehen gelassen – deren „Angst“ ist dann wohl gerechtfertigt, aber für die ist die BRAVO auch garnicht erst da, oder wie?
„Angst, einen Mikropenis zu haben – fast immer zu Unrecht“? Ja, BRAVO: Aber weil Körper SCHÖN und OKAY sind, egal ob sie in Eure Kack-Schablone passen. Und, nebenbei: Eure Vorstellung von „Sex“ ist grottig.*

Torbilanz? Heteronormative Gewalt, Ausschlüsse und Panikmache, wie wir sie seit jeher von Jugendzeitschriften kennen: 1, Informatives zu (Mikro-)Penissen: 0.

Nächste Woche in der Reihe Genitalien Für Alle:

Die Travel-Pussy.

Das Sexspielzeug besteht aus einem Plastikschlauch ähnlich einer Wärmflasche, mit einer 24 cm langen Einstülpung.

*Nachtrag: Da absurder- wie erwarteterweise ein Haufen Leute auf meinem Blog landen, weil sie über Suchmaschinen nach „kleinen Penissen“, „Mikropenissen“ und/oder Sex damit suchen, hier noch mein Senf, weil mich der ganze Mist damals so unnötig fertiggemacht hat.
Für diejenigen zumindest, die hier tatsächlich etwas anderes als Pornobildchen gesucht haben, und die mein Senf interessiert:

  • Penisse (und alle anderen Körperteile) sind erstmal wichtig für den Menschen, dem sie gehören. Ein Penis, egal wie groß, ist nicht so eine Art „Sexwerkzeug“. (Außer, ihr wollt das.) Ein Penis ist nicht dazu da, dass er „in die Scheide eines Mädchens eingeführt“ wird und sich dabei für sie gut anfühlt. Kann passieren – schön!, kann aber auch das Gegenteil bewirken, und dann ist das Thema eh vom Tisch. Euer Penis ist für euch wichtig, und ob sich irgendeine Art von Berührung, oder generell Sex (falls ihr überhaupt welchen wollt), für euch gut anfühlt. Ich hab keinen (Penis. Sex schon ^^), deshalb kann ich nichts dazu sagen, was für euch gut ist. Aber das müssen eh alle Menschen für sich selbst herausfinden. Ob das für die andere(n) beteiligte(n) Person(en) auch gut ist, ist erst die nächste entscheidende Frage.
  • „Sex“ ist alles Mögliche, was ein, zwei oder mehr Menschen zusammen daraus machen wollen.
  • Wenn etwas passiert, das eine der beteiligten Personen nicht selber will, ist es kein Sex, sondern Gewalt. Geht immer, immer, immer sicher, dass alle das auch wirklich wollen, was gerade passiert.
  • Der Vagina-Penis-Sex, von dem die BRAVO hier spricht, zwischen einem „Mann“ und einer „Frau“ ist nur ein winziger Teil davon, und für sehr viele Menschen wirklich unwichtig. Wie sollten denn lesbische Frauen überhaupt Sex haben, wenn das alles wäre? Und das ist nur der Anfang. Sogar ein Haufen Hetero-Leute mit Durchschnittskörpern finden diese Art Sex allerhöchstens mittelspannend.
  • Die Mehrheit der Frauen/Mädchen oder anderer Menschen mit Vagina (genderqueere Menschen, Trans*-Männer, …) bekommen beim ausschließlichen Vagina-Penis-Sex keinen Orgasmus. Echt wahr. NIE. Ich wünschte, das würde sich endlich rumsprechen. Ich wünschte, ich hätte das mit 16 mal gewusst, anstatt mich zu fragen, ob ich „frigide“ bin. Kein Witz. Statt die Botschaft mal konsequent zu verkünden und zum Beispiel Oralsex als die vermutlich unfehlbarste der verbreiteten Spaßmethoden vernünftig zu erklären, hatte die „Mädchen“ immer nur Tipps auf Lager, wie „er“ seinen Orgasmus hinauszögern soll, wie die „Stimmung“ mittels Kerzenlicht und ins Bett gestreuter Rosenblütenblätter „romantischer“ wird, und ansonsten müsse man eben geduldig sein und rumprobieren. Wenn’s nur lang genug dauert, wird’s „für sie“ schon werden, war die Botschaft. Quatsch. Wenn alles stimmt, kanns bei vielen auch nach einer Minute soweit sein – aber bei einem Haufen Leute hat ein Penis damit eben einfach genau Null zu tun.
  • Für viele Menschen ist nicht einmal ein Orgasmus wichtig, sondern sie suchen beim Sex etwas ganz anderes. Erregung ohne Orgasmus, Körper erforschen, sich nah sein, manche Arten BDSM, …
  • Für manche Menschen ist es beim Sex wichtig, wie groß der Penis eines anderen Menschen ist (manche mögen nur große, manche nur kleine Penisse) – oder wie er geformt ist. Für manche Menschen ist die Größe oder Form von Brüsten wichtig. Für viele, viele, viele andere ist das alles nebensächlich oder komplett egal.
  • Für die Leute, die ganz traditionell möglichst große und dicke Sachen in diversen Orten ihres Körpers wollen, gibt es zwischen Fingern, Fäusten, (Umschnall-)Dildos (via) und den guten alten Karotten und Salatgurken wirklich jede Menge Möglichkeiten, die auch von jeder Menge Leuten fröhlich genutzt werden.
  • Lasst euch nicht fertigmachen.

4 Kommentare

  1. Stephanie

    Ach du liebe Scheiße. Wie gut dass ich den Größten, Kleinsten und Mittlersten habe…
    Gibt’s lustige/nachvollziehbare/meschuggene Spekulationen, wie die Verknüpfung von lesbisch und Mikropenissen zustande kommt?

  2. kiturak

    Weder lustig noch meschugge, würde ich sagen. Gleich neben dem Artikel „Lesbisch sein: Wenn Girls Girls lieben!“ (verdient definitiv einen eigenen Kommentarartikel) war das „Dr. Sommer-Männerarzt-Spezial“: „Teil 4: Was ein Mikropenis ist! Hier erklären wir Dir, wann die Penisgröße wirklich problematisch sein kann.“ Damit auch allen von Anfang an klar ist, dass es Penisgrößen gibt, die „wirklich problematisch“ sind. Was für eine Scheiße. Geben vor, Leuten die Angst zu nehmen, die sie mit sowas selber so richig aufbauen.

  3. Stephanie

    Dieses krank=medizinisch-indiziert und krank=gesellschaftlich-untauglich bekommt so noch mal einen ganz anderen Drive. Beziehe mich auf „Kaum anzunehmen, dass diese Frauen so erfolgreich wären, wenn sie „krank“ wären.“ aus dem „Lesbisch sein“ Artikel. Bringt mich direkt zu der Frage, ob ein Mikropenis verhindert, berühmt und erfolgreich zu werden?

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