Betrunkene Arschlöcher feiern Junggesellenabschied im öffentlichen Nahverkehr

Bin ich spießig, wenn ich nicht will, dass Heterosexuelle ihr Privatleben in aller Öffentlichkeit austragen?
Gerade dieses Dauervereinigungsritual, auf das sie aus unerfindlichen Gründen so stolz sind, dass sie nicht wollen, dass es irgendwer nachmacht?

Vorab muss ich dazu sagen: Ich bin wirklich nicht heterophob.

HEY! Wirklich nicht!

Ich habe viele Freunde und Freundinnen, die heterosexuell sind. Ich finde zwar manches übertrieben – zum Beispiel die aufgesetzt und künstlich wirkende Mackerhaftigkeit vieler heterosexueller Männer, die, ich kann mir nicht helfen, doch manchmal eher unnatürlich und abstoßend auf mich wirkt. Und ich muss vielleicht nicht unbedingt zuschauen, wenn sich eine Frau und ein Mann vor aller Augen, äh, küssen. Aber viele Heterosexuelle sind im Grunde genommen wirklich sehr nette Leute. Um ganz ehrlich zu sein: Auch ich bin eine grobe, aber für die Meisten klar erkennbare Annäherung daran, was Leute unter „Frau“ verstehen, und wenn das auch vielleicht das IOC nicht finden würde, so hat sich doch noch keiner beschwert von den Reihen von, und jetzt kommt’s, Männern, mit denen ich Sex hatte. Ja, auch ich habe Sex mit Männern. Auch ich bin (oft) heterosexuell.

Aber ich möchte auch, dass diese Art zu leben toleriert wird. Und dazu müssen wir uns an die restliche Gesellschaft anpassen.

Was ich meine?
Vielleicht ein kleiner Test.

Frage: Welches Verhalten wird von vielen Menschen in einem Nahverkehrszug als unhöflich, aufdringlich und/oder unappetitlich empfunden?

Mögliche Antworten:

  1. Zwei Menschen, die nebeneinandersitzen und sich an der Hand halten.
  2. Ein Mensch, die oder der aus dem Fenster schaut.
  3. Geschätzt sieben Menschen, die unter erheblichem Alkoholeinfluß laut grölend durch den Zug laufen, Leute anlabern für Geld für mehr Alkohol und Texte von sich geben wie

DICKE TITTEN KANN NIEMAND TRENNEN

SCHALALAAA LA LALA

Ok, ich will Euch nicht auf die Folter spannen.
Korrekte Antworten:

  1. BINGO! Abhängig vom Geschlecht dieser Menschen finden das Leute störend.
  2. Das stört meist nur den Menschen, der_die seit einer halben Stunde penetrant versucht, diese Person in ein Gespräch zu verwickeln.
  3. FALSCH! Wie naiv.

Nein, Weiße, meist Männliche Heteros, ich muss es ja zugeben: Ihr macht alles richtig hier. Euch gehört die Welt, Ihr dürft Euch hier aufführen wie die letzten Drecksäcke, und was denkt der Rest?
„Wie nervig“, denkt der Rest, „aber es ist halt ein Junggesellenabschied“.

Wenn man euch anbrüllt für euren Scheiß, Betrunkene Arschlöcher auf eurem Juggesellenabschied im Öffentlichen Nahverkehr, was antwortet ihr dann?
DAS IST NICHT NUR DEIN ZUG! antwortet Ihr dann.
Das ist lustig, weil, betrunkene Arschlöcher: Genau das dachten wir anderen auch. Ihr, betrunkene Arschlöcher, wart genauer gesagt die Einzigen, die es anscheinend nicht gerafft haben, dass der Zug nicht Euch gehört.

Ich würde es ja für einen Fall von Using Public Space While Male halten, Ihr wisst schon, dieses Ding, wo Typen prinzipiell zwei Sitze im Bus brauchen, weil ihre Eier leider zu dick sind, um die Beine zusammenzubekommen?
Aber ich glaube, das trifft es nichtmal ausreichend.

Betrunkene Arschlöcher auf Junggesellenabschied im öffentlichen Nahverkehr sind schlicht ein Fall von freilaufendem Privileg.

8 Kommentare

  1. Marie

    Das IOC hat mit dem Internationalen Leichtathletikverband die ultimativen Kriterien für das eindeutige Geschlecht in Regeln manifestiert.
    Der sich daraus ergebende Artikel ? Realsatire, vielleicht zynisch, aber auf jeden Fall mitten im Leben. Haben die entscheidenden Männer in den Verbänden doch allen Heten und Homo’s welchen Geschlechtes auch immer, ihre Identität gerettet. Die haben das tatsächlich beschlossen, aber lest selbst.
    http://dreckschleuder.info/blog?p=4548
    Marie

  2. nurmalso

    „Bin ich spießig, wenn ich nicht will, dass Heterosexuelle ihr Privatleben in aller Öffentlichkeit austragen?“

    nein, du bist nur intolerant, misst mit verschiedenerlei maß, versuchst eine opferkarte auszuspielen, dich in einem minderheitenbonus zu suhlen und deine selbstgerechtigkeit als legitime empörung zu verkaufen. aber spießig? nein, spießig bist du nicht.

  3. kulinaria katastrophalia

    Sensibilisierung! Du hast das Problem von der falschen Seite aufgezogen, Sensibilisierung ist das Stichwort der Stunde, einfach mal nach Irland oder Großbritannien fahren und hordenweise solche Vorkommnisse zwangsweise konsumieren, derart ausgestattet dann zurück und versuchen über einen längeren Zeitraum, das dürfte nicht schwerfallen, sich geringe Dosen, ev. nur 2-Personen-Grüppchen, genießen, irgendwann tritt dann die Sensibilisierung ein und schwubbs ist die Aufnahmefähigkeit solcher Vorkommnisse heraufgesetzt — andererseits gibt es auch (Achtung Gewaltphantasie! zu viel Veronica Mars geschaut) Elektroschocker, du musst halt schauen was besser geht ;D

    • kiturak

      Oh ja, Gewalt! Ich fand, das Anbrüllen war genau richtig für mich. Also, die perfekte Mischung aus verbaler Gewalt, physischer Drohgebärde und vor allem Aggressionsventil – nicht zuviel, nicht zuwenig. Der Elektroschocker würde da garnicht den Zweck erfüllen. Etwa „Fresse“ hier, etwas „Arschloch“ da, anständige Dezibel, und schon wurde meine Reaktion wahr- und als legitime, normale Ausdrucksweise nicht weiter übelgenommen, im Gegensatz zu der in Durchschnittslautstärke vorher gestellten Frage.
      Nach Irland müsste ich garnicht zum Sensibilisieren, schließlich wohne ich in einer Stadt mit Fußballstadion und FASSENACHT, und aufgewachsen bin ich in München! Jedes Jahr Wiesn.
      An sich ist es ja nicht der Lärm an sich, der mich stört, sondern die immanente Gewalt, das latente Versprechen und irgendwann explizite Ausbrechen sexistischer, rassistischer und sonstiger Nettigkeiten.
      Und der double standard – würde die gleiche Aggression von einer Gruppe schwuler, und/oder arabischer und/oder Schwarzer Typen kommen, stünde gleich die halbe Bundesrepublik skandalisiert auf der Matte und wir hätten 17.000 Integrationsdebatten.
      Aber kommt sie nicht. Ist mir noch nie passiert. Das machen mit der Selbstverständlichkeit und Ritualhaftigkeit im bürgerlichen Wochenend-Freizeitverkehr nur die, die wissen, dass sie Leitkultur-Rückendeckung haben.

  4. Stephanie

    Aus dem Urlaub ein lautes Lachen und großen Beifall.

    Hier mitten im Nichts, war ich nicht mal mehr sicher, ob es noch andere Menschen gibt… aber jetzt weiß ich wieder, warum ich Urlaub mache und Berge anschaue.

  5. oh ja!

    Oh ja! Junggesellenabschiede sind das aller, aller allerletzte.

    Die gibt es inzwischen auch für Frauen, aber entlang den „Normalen“ Geschlechterbildern sind die zwar, nun , komisch anzuschauen, denn die Frauen statten sich selbt mit so Accesoires wie Bunny-Ohren aus, ziehen sich ganz rosa an und so, aber im Zug ist mir so ne Frauentruppe noch nie begegnet. Grölende Junggesellenmänner aber des öfteren, und das war nie schön.
    Zwar hatte ich noch die die „Freude“ eklige sexistische Lieder zu hören, aber mal ehrlich: Man kriegt die ätzenden Typen nicht mehr los. Sie wollen mit Dir „Spaß haben“, aber wenn ich im Zug lesen will, hab ich barly Interesse an einem Gespräch, geschweige denn daran, mir die Finger- oder Zehennägel lackieren zu lassen (Ungelogen! Die wollten vorher nicht weggehen, als ich höflich sagte, sie sollen weitergehen musste ich verhandeln und rechtfertigen – was für ne Frechheit!).
    Vom Bettler angebettelt werde ist den Leuten unagenehm – der will ja nur Alk kaufen! – vom Junggesellenabschied, ders versaufen will aber nicht? Hallo?!

    Nein es gilt: Saufende grölende Menschen sind eigentlich immer unangenehm, weil
    a) saufend
    b) als Resultat des Alkohols? – laut und grölend, distanzlos, möglicherweise stinkend.
    Taj und dann kommen die gesellschaftlichen Konventionen (Männer dürfen doch übergriffig sein) noch dazu. Schlimme Kombi.

    Danke, Toller Beitrag!

  6. oh ja

    Und hier noch weitere Ideen, für Deinen Junggesellinnenabschied, Kiturak.
    Bitte nur weiterlesen und Klicken, wenn Du leidensfähig bist.

    Ziemlich umfassende Erklärung der „Tradition“ (Seit wann gibts das eigentlich? Gefühlt vll seit 5, 6,7 Jahren??) und was man machen soll:
    http://www.junggesellenabschiede.info/
    Hier wird erklärt, was zu tun ist, und man kann man gleich die Benötigten Hifsmittel dazu kaufen. Z.B. Große Plasikbrüste (denn man soll ja Geld verdienen bei dieser „lustigen“ Aktion. Oder ein Putzfrauenkostüm mit Staubwedel (denn man soll ja…). Auch „Lustig“ macht doch einen öffentlichen Sperma oder Vaginalpilztest. Haha, ich kann mir vorstellen, wie DIE Party abgeht!
    Fast am wichtigsten (es sei denn man macht die Plastikbrustsache) ist das Shirt.
    http://www.junggesellinnenabschied.de/Junggesellinnenabschied-Motive.html

    Na, dann viel Spaß!

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