ihr verarscht mich doch.

tada.
Eröffnungskandidatur für eine Kategorie, die in keinem Blog fehlen sollte, via Der Schwarze Blog:


Thilo Sarrazin stellt im Haus der Kulturen der Welt sein neues, ähem, Buch vor.

Echt jetzt. Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin.

Auszug, nach Migrationsrat Berlin&Brandenburg:

„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. (…) Demografisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar.“

„Kulturen der Welt“? WAAAHH, raus aus Deutschland! Zur Not wenigstens kleinhalten. Klar, Herr Sarrazin, ist ja auch nichts Neues.

Vorlage für ein Protestschreiben in deutscher und englischer Sprache und weiterlesen: Der Schwarze Blog oder mrbb.


Schnell weg hier

Dem Haus der Kulturen der Welt wird die ganze Sache inzwischen offensichtlich zu unheimlich: Höchste Zeit, in einer Pressemitteilung zu whitesplainen, wie die Einladung von Sarrazin natürlich als völligst subversive Veranstaltung geplant war:

Thilo Sarrazins polemische Thesen sind völlig konträr zur Grundhaltung des Hauses. Leider werden solche ausgrenzenden Positionen in der Gesellschaft immer wieder hochgespült. Daher halten wir eine kritische Auseinandersetzung gerade an unserem Ort für notwendig. Festivalleiter Ulrich Schreiber hat uns gestern mitgeteilt, dass der Verlag und Thilo Sarrazin einen kritischen Gesprächspartner auf dem Podium ablehnen. Das können wir nicht tolerieren: Die von uns gewünschte Form der Auseinandersetzung wird dadurch konterkariert. Bleibt es bei dieser Haltung von Thilo Sarrazin und des Verlages, wird die Veranstaltung bei uns nicht stattfinden.

Beeindruckend, so kann die Veranstaltung ohne Gesichtsverlust abgesagt werden, und das, ohne in Zusammenhand mit Sarrazins immer wieder vertretenen Anschauungen ein einziges Mal das Wort „Rassismus“ irgendwo hinschreiben zu müssen.

Wohlgemerkt, was war nochmal der Ankündigungstext?

Der streitbare Spitzenbeamte und Politiker malt in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ ein düsteres Bild von der Zukunft Deutschlands im Kontext von Geburtenrückgang, Zuwanderung und Verarmung. Sind Wohlstand, sozialer Frieden und Stabilität noch gewährleistet?

Nice try, HdKdW, aber diese Ankündigung in diesem Rahmen gibt die jetzige Auslegung nicht her. Dass von Anfang an geplant gewesen sein sollte, Sarrazin mitsamt seiner rassistischen Hetze auf dem Podium zu zerlegen: Mööööglich, aber jedem Menschen, die_der diese Ankündigung gelesen hat, hat sie keine andere Botschaft überbracht als die jeder beliebigen BILD-Schlagzeile rassistischer deutschnationaler Panikmache.
Und nein, ein dekonstruktiver Umgang mit schrecklichen Ansichten ist nicht, Menschen, die sie offensiv und explizit vertreten, einen prominenten Platz und höfliche Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.


Sarrazin ist einer von uns

„Streitbar“, „polemisch“, oder, um das Lieblingsadjektiv der deutschen Presse zu verwenden: „provokant“, so kennen wir Sarrazin in der gängigen Darstellung, in der das Haus der Kulturen der Welt keinen Unterschied macht. Das sind Worte für Leute, die sich was trauen, harte Hunde, ganze Kerle. Bewundern wir sie nicht insgeheim alle ein klein bisschen? Für ihren Mut zum Beispiel, etwas auszusprechen, was andere nur denken?

NEIN, verdammt.

Sarrazins Ansichten sind RASSISTISCH, nicht streitbar, nicht polemisch, nicht unterschwellig anerkennend „provokant“. Dass weder die SPD, noch die Bundesbank ihn je ausgeschlossen haben, dass er nach wie vor mit halb-komplimentierenden Adjektiven bedacht wird:

Zeichen dafür, dass Sarrazins Rassismus kein seltsames Verhalten eines Wesens vom anderen Stern ist, sondern ein schlimmer Auswuchs unseres ganz normalen Alltags.

Zeit, etwas dagegen zu tun. Kein Anlass für Selbstgerechtigkeit. Aber ein Anlass, sich einzusetzen dafür, dass prominenten Vertretern konsequent rassistischer Einstellungen nicht noch ein Podium geboten wird.

2 Kommentare

  1. Pingback: Sarrazin beim Internationalen Literaturfestival? – einige Updates | DER SCHWARZE BLOG
  2. Pingback: Von wegen reaktionäre Kulturwüste: Deutschland gewinnt Realsatire-Preis! | kiturak

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